Stromnetze

Erneuerbare müssen nicht auf den Netzausbau warten

Windräder und Strommast bei Hamburg
Die Anhörung zum Gesetz zur Beschleunigung des Netzausbau hat gezeigt, dass die Stromleitungen nicht ausgelastet sind. Und dass, es bei Überlastung der Netze hilft den Ökostrom vor Ort zu nutzen, um das Stromnetz zu entlasten. Der Stromnetzausbau muss dennoch zügig vorangetrieben werden. picture alliance / Bildagentur-online/Ohde
21.02.2019

Im Dezember hat die Bundesregierung endlich einen Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus, auch als NABEG 2.0 bekannt, vorgelegt. Nun fand die Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Wirtschaft und Energie statt. Die erfreuliche Nachricht, der Ökostromausbau kann ambitioniert fortgesetzt werden, wenn wir gleichzeitig die bestehenden Trassen besser auslasten, Ökostrom vor den Netzengpässen nutzen, statt Erneuerbaren- Energien-Anlagen abzuschalten und den Netzausbau zügig fortsetzen. Damit werden die Behauptungen der Koalition widerlegt, die einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Verweis auf angeblich fehlende Netze blockieren. Die Beteiligung der Menschen vor Ort und der Naturschutz dürfen unter der Beschleunigung des Ausbaus nicht leiden.

Ökostromausbau erhöhen

Die Bundesregierung hat es bis heute versäumt das Ökostromausbauziel so anzupassen, dass wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen können. Die Sachverständige Dr. Ropenus von Agora Energiewende machte deutlich wie für das System der Zukunft die beiden Ziele Ökostromausbau und Netzausbau ineinander spielen und voneinander abhängen. Die Bundesregierung muss nun endlich Klarheit schaffen und ein Paris-konformes Ökostromausbauziel im EEG festschreiben. Nur so kann die Netzplanung für die Zukunft auf den richtigen Annahmen aufbauen. Damit der Ökostromausbau auch jetzt ambitioniert weiter gehen kann, brauchen wir kurzfristig eine bessere Auslastung der bestehenden Trassen und die Nutzung von Ökostrom vor den Stromengpässen.

Stromnetze: Bestehende Trassen besser auslasten

Maßnahmen zur besseren Auslastung von Stromnetzen sind schon lange bekannt. Sie wurden schon vor 14 Jahren in der DENA Netzstudie beschrieben. Die Sachverständigen machten deutlich, dass diese Möglichkeiten zur besseren Auslastung der bestehenden Stromleitungen auch endlich genutzt werden müssen. Dabei gibt es nicht eine Universallösung sondern ein großes Bündel an Möglichkeiten die Bestandsnetze besser auszulasten, wie in der Anhörung betont wurde. So kann beispielsweise gerade wenn viel Wind weht durch Freileitungsmonitoring mehr Strom durch die Netze geschickt werden. Ein Controlling und Monitoring könnte hier helfen einen besseren Überblick darüber zu bekommen, an welchen Stellen das Bestandsnetz noch ertüchtigt werden sollte. Lastflusssteuernde Elemente wie Phasenschieber können genutzt werden um Strom umzuleiten und die Abregelung von Ökostromanlagen zu senken.

Ökostrom vor Ort endlich nutzbar machen

Die Sachverständigen sehen auch bei der Frage, wie Ökostrom genutzt werden kann, anstatt Anlagen abzuschalten, Handlungsbedarf. Es gebe ein Mosaik an kleinen Regelungen, die den Strommarkt durchziehen, es fehlt jedoch eine konsistente Regelung, damit der Strom beispielsweise im Wärmesektor genutzt wird. Einige Sachverständige wiesen in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hin, eine Reform des Abgaben-, und Umlagesystems für Strom auf den Weg zu bringen. Dies könnte auch die Möglichkeit schaffen, dass beispielsweise große Unternehmen direkt mit erneuerbaren Energien Strom aus der Umgebung beliefert werden. Leider verschläft die Bundesregierung auch dieses Thema.