Stromnetzausbau

Nur Transparenz schafft Akzeptanz

Windräder und Strommast bei Hamburg
Die Energiewende kann nur mit einem intelligenten Netzausbau gelingen. picture alliance / Bildagentur-online/Ohde
09.01.2019

Leistungsfähige Stromnetze sind das Rückgrat der Energiewende. Der Bedarf an Stromleitungen in Deutschland wird alle zwei Jahre in einem gemeinsamen Prozess zwischen den Stromnetzbetreibern, der Bundesnetzagentur und der Öffentlichkeit im Netzentwicklungsplan (NEP) festgelegt. Durch das Ziel der Bundesregierung, einen Ökostromanteil von 65% bis 2030 zu erreichen, wird der Bedarf an Stromnetzen im diesjährigen NEP ansteigen.

Netzausbau nur dort wo nötig

Eine fossilfreie Zukunft in Deutschland wird nur dann Realität, wenn grüner Strom aus dem Norden des Landes in den verbrauchsstarken Süden transportiert werden kann. Damit ist klar: Energiewende bedeutet auch, dass Menschen in unserem Land durch die Folgen des Netzausbaus herausgefordert werden. Sei es, weil die Stromtrassen in Nähe ihrer Häuser verlaufen oder die Leitungen direkt über die Grundstücke von Landeigentümern gebaut werden.

Die Grüne Bundestagsfraktion steht zu einem ambitionierten Weg hin zu 100% Ökostrom und unterstützt den dafür notwendigen Netzausbau. Genauso achten wir darauf, dass nur Stromleitungen gebaut werden, die wirklich benötigt werden. Transparenz, inwiefern eine Stromnetztrasse notwendig ist, schafft die Grundlage, um Akzeptanz für den Netzausbau in Deutschland zu sichern und die Netze schnell auszubauen.

Wirtschaftsminister Altmaier hat den Netzausbau zur Chefsache erklärt. Nun muss er dafür sorgen, dass auch für 65% Erneuerbare die Menschen transparent nachvollziehen können, welche Stromleitungen gebraucht werden und wo wohlmöglich auf den Bau neuer Trassen verzichtet werden kann. Möglichkeiten zur Einsparung von Stromleitungen bieten etwa ein zeitnaher Kohleausstieg oder der intelligente Einsatz von Speichertechnologien. Um das einzschätzen, braucht es aber genaue Angaben zu den Annahmen des Netzausbaus.

Bundesregierung wiederholt Fehler der Vergangenheit

Jahrelang hat die Bundesregierung trotz starken Zuwachses bei den Erneuerbaren den Netzausbau verschlafen. Nun intensiviert sie den Netzausbau und vernachlässigt die Erneuerbaren. Die Energiewende wird nur dann funktionieren, wenn Ökostrom- und Netzausbau Hand in Hand gehen. Die Bundesregierung hat dies leider immer noch nicht verstanden.

In einem gemeinsamen offenen Brief haben Anton Hofreiter, Ingrid Nestle, Julia Verlinden und Oliver Krischer Minister Altmaier aufgefordert, für mehr Transparenz beim Netzausbau zu sorgen und endlich Planungssicherheit beim Ausbau erneuerbarer Energieträger zu schaffen.

Konkret fordern sie den Minister auf zu klären:

  1. Inwiefern ein reduzierter Betrieb oder die gezielte Abschaltung von Kohlekraftwerken vor dem Netzengpass den Bedarf an neuen Leitungen verringert. Die Ergebnisse der Kohlekommission müssen daher in den NEP einberechnet werden.  
  2. Durch welche Innovationen die bestehenden Netze künftig besser ausgelastet werden können. Welche Vorteile könnten zum Beispiel Netzbooster – große Batteriespeicher zur Stabilisierung des Stromnetzes – an kleineren Leitungen bringen?
  3. Wieviel Netzausbau sich durch mehr regionale Flexibilität vermeiden lässt.
  4. Wie ein  Netz für 100% erneuerbare Energien aussehen müsste.  
  5. Dass die Kosten für teure Netzeingriffe durch die Einigung mit der EU zum Vorrang von grenzüberschreitenden Stromflüssen nicht den Erneuerbaren zugeschrieben werden.