Bahnoffensive

Was ist zu tun, damit die Bahn uns pünktlich in den Urlaub bringt?

Deutschland braucht Einwanderung. Es gilt, sie zu gestalten.
Viel zu oft warten Bahnreisende im Zug oder am Bahnsteig auf die Ankunft. Wir schlagen Maßnahmen vor, mit denen die Bahn schnell und dauerhaft attraktiver wird. picture alliance / dpa
13.07.2019

Die Deutsche Bahn (DB) verfehlt seit längerem ihre selbst gesteckten Pünktlichkeitsziele. Dabei gilt nach ihrer Definition ein Zug erst ab sechs Minuten Ankunftsverspätung als unpünktlich. Gleichzeitig wird eine sogenannte Anschlusspünktlichkeit nicht erfasst. Die zeigt, wie oft Kundinnen und Kunden infolge unpünktlicher Züge ihre Anschlüsse tatsächlich verpassen. Der Frust ist groß, die Ideen der DB und der Bundesregierung dafür ziemlich bescheiden.

Bahnoffensive für die Ferienregionen

Gerade in der Ferien- und Urlaubszeit wollen Reisende ihr Ziel ohne Verzögerungen erreichen. Da kann die Bahn ihre Vorteile gegenüber den vollen Straßen ausspielen. „Niemand will zu seinem Urlaubsbeginn im Mega-Stau feststecken. Das kostet Zeit und Energie - und ist alles andere als entspannt“, erklärt Anton Hofreiter. „Damit mehr Menschen für die Urlaubsreise in die Bahn steigen, braucht es eine Bahnoffensive für Ferienregionen. Dafür müssen Tourismusregionen an das Fernverkehrsnetz angebunden werden - und das nicht nur einmal am Tag, sondern im Zweistundentakt“, so der Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion.

Was kann getan werden, um Bahn pünktlicher zu machen?

Wie lässt sich dazu das Pünktlichkeitsdilemma wieder in den Griff bekommen? Und was kann vor allem kurzfristig dafür getan werden, damit der Bahnverkehr wieder pünktlicher und insgesamt zuverlässiger wird?

Eine aktuelle Studie der KCW GmbH im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion widmet sich genau diesen Fragen und schlägt kurz-, mittel- bis langfristige Maßnahmen vor, mit denen dauerhafte und deutliche Effekte zur Steigerung der Pünktlichkeitsraten erreicht werden können.

Spannend sind vor allem diejenigen Maßnahmen, die innerhalb eines absehbaren Zeithorizonts, das heißt kurz- und mittelfristig, realisiert werden könnten. Aus den genannten Maßnahmen der Studie lassen sich folgenden Forderungen formulieren:

  • Die Deutsche Bahn muss für ein standardisiertes Umleitungskonzept im Falle von Streckensperrungen sorgen.
  • In Knotenbahnhöfen müssen Zugreserven erhöht werden, die im Fall von im Betrieb ausscheidenden Zügen schnell eingesetzt werden können.
  • Die DB Netz sollte die Aufgabe übernehmen, eigene Abschlepp- und Schneepflugloks bereitzustellen.
  • Der Einsatz der Fahrzeugtypen muss nach Linien sortiert werden, um Instandhaltungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.
  • Fahrzeuge sollten bestmöglich für den Einsatz auf unterschiedlichen Strecken ausgestattet werden, um zu vermeiden, dass auf bestimmten Strecken bestimmte Fahrzeuge nicht eingesetzt werden können.
  • Personalplanungen sind rechtzeitig auf den Weg zu bringen und für Personalwechsel muss genügend Zeit eingeräumt werden.
  • Das Buchungs- und Auskunftssystem muss ehrlicher werden und Fahrgastwechselzeiten müssen inklusive eventueller Bahnsteigwechsel gedacht und an der realen Praxis orientiert werden.
  • Fahrgastrechte sollten einfacher in Anspruch genommen werden können und näher an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden ausgerichtet sein.

„Wir Grünen wollen, dass wieder mehr als 90 Prozent der Züge pünktlich fahren. Dafür braucht es mehr als aktionistische „Fünf-Punkte-Pläne“ der Deutschen Bahn“, sagt Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Grünen im Bundestag. „Wir brauchen eine bahnpolitische Agenda, die die Verdoppelung der Fahrgastzahlen im Schienenverkehr bis 2030 als verbindliches Ziel verfolgt und die Umsetzung der dafür erforderlichen Maßnahmen.“