Corona-Krise

Ältere und Pflegebedürftige nicht alleine lassen

Ältere Menschen gelten in der Corona-Pandemie als besonders gefährdet. In vielen Pflegeeinrichtungen gelten Besuchsverbote. Doch Einsamkeit und Isolation setzen den Menschen zu. Es ist an der Zeit, über Lösungen zu sprechen. dpa/ pciture-alliance
20.04.2020
  • Ältere und pflegebedürftige Menschen zählen in der Corona-Pandemie zu den Risikogruppen und sind besonders auf Schutz angewiesen.
  • Kontakteinschränkungen können jedoch zu Isolation und Vereinsamung führen. Das ist eine massive Belastung für die Betroffenen und ebenfalls ein Gesundheitsrisiko.
  • Zusammenhalt ist auch in der Krise unser Leitbild. Wir wollen ältere und pflegebedürftige Menschen bestmöglich schützen und gleichzeitig ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so gut es geht ermöglichen.

Die Corona-Pandemie trifft ältere und pflegebedürftige Menschen besonders hart. Pflegeeinrichtungen drohen aktuell zu Hotspots der Corona-Ausbreitung zu werden, in vielen Häusern gelten deswegen strenge Besuchsverbote. Der Infektionsschutz für diese Gruppen ist wichtig, doch die Einsamkeit ist für die Betroffenen schwer zu ertragen und ihr Gesundheitszustand kann sich dadurch verschlechtern.

In den Diskussionen um „Exit-Strategien“ aus dem „Lockdown“ werden Stimmen laut, die Risikogruppen pauschal abschotten und damit vom gesellschaftlichen Leben weitestgehend ausgrenzen wollen. Das ist für uns keine Option. Für uns gilt: auch in der Krise ist Zusammenhalt unser Leitbild. Wir wollen Risikogruppen bestmöglich schützen und gleichzeitig ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so gut es geht gewährleisten. Zu wenig wurde bisher darüber geredet, wie das möglich sein kann. Dafür braucht es differenzierte Maßnahmen und Augenmaß. Wir machen dazu Vorschläge.

Selbstbestimmung und Teilhabe

Für ältere oder schwächere Menschen sollten Taxi-Fahrtkosten zum Arzt von der Krankenversicherung erstattet werden, bis aufsuchende gesundheitliche und pflegerische Angebote, also Hausbesuche, weiter ausgebaut werden. Für ihre grundlegende Versorgung sind ältere und pflegebedürftige Menschen in diesen Zeiten zudem auf Hol- und Bringdienste angewiesen. Der sogenannte Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung sollte von 125 Euro auf 250 Euro verdoppelt und flexibilisiert werden, damit er zur Finanzierung solcher Dienste genutzt werden kann.

Kommunen sollten nach kreativen Lösungen suchen, die gefährdeten Gruppen zu schützen, wie beispielsweise durch Einkaufskorridore – zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Arealen.

Alltag älterer und pflegebedürftiger Menschen in Pflegeeinrichtungen

Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen sollten so weit wie möglich verhindert werden. Eine Möglichkeit besteht in einem Zeitmanagement, das Menschen Zeitkorridore für ihren Besuch nennt. Mit genügend Schutzausrüstungen und weiteren medizinisch-pflegerischen Schutzmaßnahmen ließe sich sicherstellen, dass Besuche auch in der aktuellen Situation möglich sind und niemand von familiären oder befreundeten Kontakten abgeschnitten wird.

Gleichzeitig sollen Bewohnerinnen und Bewohnern, insbesondere wenn sie in Quarantäne sind, digitale Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit Freundinnen, Freunden und Verwandten ermöglicht werden, zum Beispiel mit Tablets für Videotelefonie. Wir fordern einen Digitalpakt von Bund und Ländern, um notwendige IT-Investitionen in die Infrastruktur zu finanzieren.

Weiterhin gilt es, familiären und befreundeten Beistand im Sterbefall zu einzurichten. Eine Sterbebegleitung rührt an existenziellen Grundfesten und sollte – unter der Voraussetzung von Schutzmöglichkeiten – ermöglicht werden.

Pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte schützen und wertschätzen

Pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte versorgen jeden Tag die ihnen anvertrauten Menschen und sind damit nicht nur ausschlaggebend für deren Wohlergehen, sondern leisten einen unschätzbaren Beitrag für unsere gesamte Gesellschaft. Systemrelevant waren sie schon immer, deutlich wird das vielen leider erst jetzt.

Sie verdienen Wertschätzung und Schutz. Schutzausrüstung und regelmäßige Testung für Pflegepersonen sind deshalb Grundvoraussetzungen. Des Weiteren fordern wir eine Prämie für Pflegekräfte als Anerkennung für ihre besondere Belastung in der Corona-Epidemie. Für pflegende Angehörige fordern wir eine Lohnfortzahlung für den Fall, wenn die Betreuung pandemiebedingt entfällt. Mehr Informationen zu unseren Vorschlägen finden sie hier.