Gesundheitsregionen

Aufbruch für eine bessere Gesundheitsversorgung

In der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Gynäkologie im Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg nehmen Kurpatientinnen an einer Gruppengymnastik mit Bällen und Stäben teil, die von einer Physiotherapeutin geleitet wird. wird, aufgenommen
In der Gesundheitsversorgung sind dringend mehr Verlässlichkeit und Patientenorientierung notwendig. Wir zeigen, wie das erreicht werden kann. picture alliance / ZB
26.08.2020
  • Das heutige Gesundheitssystem behindert eine abgestimmte Versorgung, fördert ökonomische Egoismen und folgt einer unzeitgemäßen Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen.
  • Unser Ziel ist eine verlässliche und an den Interessen der Patientinnen und Patienten orientierte Gesundheitsversorgung.
  • Alle Berufe sollen Hand in Hand zusammenarbeiten. Durch Gesundheitsregionen wollen wir die Verankerung vor Ort stärken sowie mehr Kooperation und Vernetzung fördern.

Die Covid-19 Epidemie hat deutlich gemacht, wie wichtig eine verlässliche Gesundheitsversorgung und eine gute Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe sind. Auch wegen des demographischen Wandels mit einer Zunahme des Anteils älterer und chronisch kranker Patientinnen und Patienten steigt die Bedeutung einer gut abgestimmten Versorgung, bei der Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Pflegekräfte im Team zusammenarbeiten.

Doch die Bundesregierung hält bislang an einer veralteten Aufgabenverteilung zwischen den Berufen fest. Sie tut zu wenig, um Kooperation und Vernetzung in unserem Gesundheitssystem zu fördern. Das führt nicht nur zu Abstimmungsproblemen zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen, sondern auch zu Fehlanreizen in der Versorgung. Die Patientinnen und Patienten werden häufig nicht so versorgt wie es medizinisch sinnvoll ist, sondern so, wie es sich ökonomisch für die jeweiligen Leistungserbringer lohnt. 

Statt eine steigende Flut von Gesetzen zu produzieren, muss Gesundheitsminister Jens Spahn endlich die Qualität und Verlässlichkeit der Gesundheitsversorgung in den Blick nehmen. Nötig ist ein Aufbruch für mehr Kooperation und Vernetzung in unserem Gesundheitssystem.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die unzeitgemäße Aufgabenverteilung in unserem Gesundheitswesen vermittelt die Illusion einer ärztlichen Allzuständigkeit, die andere Gesundheitsberufe in eine Assistenzrolle drängt. Dies mindert die Attraktivität dieser Berufe  und verschärft damit den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel beispielsweise in der Pflege, bei Apothekerinnen und Apothekern sowie weiteren Gesundheitsberufen insbesondere in ländlichen und einkommensschwachen Regionen.

Wir wollen die Aufgabenverteilung zwischen den Berufen neu justieren. Hierdurch kann neben einer besseren Kooperation aller Berufsgruppen auch die Autonomie und Attraktivität der jeweiligen Berufe gesteigert werden. Der Reformbedarf umfasst nicht nur die Arbeitsteilung zwischen ärztlichen und so genannten nichtärztlichen Gesundheitsberufen, sondern auch die innerhalb der ärztlichen Berufe. Hierzu schlagen wir ein Allgemeines Heilberufegesetz vor, das vor allem einheitliche Regelungen zur Berufsausübung, zu vorbehaltenen Tätigkeiten sowie allgemeinen Ausbildungsziele schafft.

Mehr regionale Verankerung durch Gesundheitsregionen

Unser Gesundheitswesen ist durch harte Grenzen insbesondere zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor gekennzeichnet. Das fängt bei der nach Sektoren getrennten Planung an und reicht bis zur Vergütung von Leistungen. Diese Vergütungssysteme verengen den Blick der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer auf das jeweils eigene wirtschaftliche Ergebnis. Das schadet vor allem chronisch kranken Patientinnen und Patienten.

Wir schlagen daher die Gründung von Gesundheitsregionen vor. In diesen arbeiten unterschiedliche Berufe im Team zusammen. Ein gemeinsames regionales Budget fördert zusätzlich eine optimale Versorgung und den Blick für das Ganze. Durch Gesundheitsregionen können Kommunen stärker integriert und ihre Kompetenzen beispielsweise bei der Gesundheitsförderung genutzt werden. Über einen Beirat sollen überdies Patientinnen und Patienten besser einbezogen werden. Durch diese regionale Verankerung entstehen mehr Möglichkeiten, die Versorgung abseits starrer Regelungen von der Bundesebene vor Ort zu gestalten.

Bis 2025 sollen zehn Prozent der Bevölkerung in solchen Regionen versorgt werden. Das ist ein ehrgeiziges Ziel und nur zu schaffen, wenn Krankenkassen mit Anreizen dazu bewegt werden, sich für eine solche Versorgung einzusetzen. Verschiedene regionale Institutionen sollen Krankenkassen dazu auffordern können, Verträge für solche Gesundheitsregionen abzuschließen. Im Gegenzug erhalten sie für die Dauer von zehn Jahren zusätzliche Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds.