Finanzieller VerbraucherschutzVerbraucherfalle Restschuldversicherungen

Stift und Taschenrechner auf Rechnungen
Wer beim Abschluss eines Kredits nicht aufpasst, bekommt nicht selten eine Restschuldversicherung dazu. Diese macht nur in den wenigsten Fällen Sinn, sie verteuert Kredite aber erheblich. Doch das erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher häufig erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Erst kürzlich meldete die Verbraucherzentrale Sachsen wieder einen besonderen Fall der Abzocke mit einer Restschuldversicherung: Ein Ehepaar hat einen Kredit über 38.000 Euro aufgenommen. Zusammen mit dem Kredit wurde ihm eine Restschuldversicherung verkauft – und zwar für mehr als 18.000 Euro. Beachtet man diese Prämie bei der Zinsberechnung, stieg der eigentlich angegebene Effektivzins von 7,97 auf 21,78 Prozent pro Jahr!

Dieser Fall ist sicher ein Extrembeispiel. Der gemeinsame Verkauf von Krediten und Restschuldversicherungen ist allerdings gängige, wenn auch nicht immer problematische Praxis. Im letzten Jahr verkauften die Mitglieder des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft rund 718.000 solcher Versicherungen. Sie sollen einspringen, wenn man beispielsweise wegen Tod, Krankheit oder Arbeitslosigkeit die Kreditraten nicht mehr zahlen kann.

Restschuldversicherungen: teuer und oftmals unnötig

Doch Restschuldversicherungen machen nicht nur die Kredite teurer, sondern sie werden Verbraucherinnen und Verbrauchern in vielen Fällen ohne ausreichende Beratung mitverkauft. In einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen ging die Hälfte der befragten VerbraucherInnen davon aus, dass sie den gewünschten Kredit nicht ohne die Restschuldversicherung erhalten hätte. Auch wenn eine Beratung zur Versicherung stattfand: Es wurde nur in wenigen Fällen geklärt, ob schon eine Risikolebensversicherung besteht und damit eine zusätzliche Restschuldversicherung unnötig wäre. Dazu kommt, dass die Restschuldversicherungen häufig viel kosten und dadurch den Kredit unverhältnismäßig verteuern.

Was jetzt zu tun ist

Die grüne Bundestagfraktion hat diese Probleme bereits in einer kleinen Anfrage und auch im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie thematisiert. Für uns ist klar: Hier besteht dringender Handlungsbedarf. VerbraucherInnen dürfen nicht weiterhin teure und unnötige Versicherungsprodukte beim Kreditvertrag untergeschoben werden. Daher setzen wir uns in den parlamentarischen Diskussionen über die Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie insbesondere für mehr Transparenz durch bessere Beratungs- und Informationspflichten bei Restschuldversicherungen ein.

Doch bislang blockiert die große Koalition. Sie sieht nach dem aktuellen Stand der Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie sogar nationale Ausnahmeregelungen vor und lässt so großzügige Schlupflöcher für das unlautere Geschäft mit Restschuldversicherungen. Damit helfen SPD und CDU/CSU Banken und Versicherern mehr als Bürgerinnen und Bürgern.

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