Prävention stärken

Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen

Kinder und Jugendliche haben das Recht, vor sexualisierter Gewalt geschützt zu werden. Dafür setzen wir Grüne im Bundestag uns ein.
Kinder und Jugendliche haben das Recht, vor sexualisierter Gewalt geschützt zu werden. Dafür setzen wir uns ein. istock/Wpadington
03.11.2020
  • Sexualisierte Gewalt ist für tausende Kinder und Jugendliche trauriger Alltag. Mehr als 13.000 Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wurden den Ermittlungsbehörden 2019 gemeldet. Es ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher ist.
  • Kinder und Jugendliche haben das Recht, vor sexualisierter Gewalt geschützt zu werden.
  • Wir wollen starke Prävention, konsequente Strafverfolgung und verbesserte Gerichtsverfahren, und haben daher unseren Antrag „Prävention stärken - Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen“ im Bundestag eingebracht.

Münster, Bergisch Gladbach, Lügde, Staufen. Diese Orte machten furchtbare Schlagzeilen. Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 43 Kinder Opfer von sexualisierter Gewalt - und das sind nur die angezeigten Fälle. Jeder einzelne Missbrauchsfall steht für ein kaputtes Kinderleben.

Es ist unser Auftrag, Kinder zu schützen

Kinder und Jugendliche haben das Recht, vor Vernachlässigung, emotionaler und körperlicher Misshandlung und sexualisierter Gewalt geschützt zu werden. Das ist unser aller Auftrag. Wir Grüne im Bundestag legen daher ein umfassendes Maßnahmenpaket vor, mit dem Kinder und Jugendliche zukünftig noch besser vor sexualisierter Gewalt geschützt werden sollen.

Wir finden: Um gehört zu werden, müssen Kinder und Jugendliche in Gerichtsverfahren selbst die Gelegenheit erhalten, ihre Erfahrungen und Sichtweisen zu schildern. Denn erst wenn wir Kinder selbst zu Wort kommen lassen und ihnen zuhören, können wir sexualisierte Gewalt gegen sie effektiv bekämpfen. Dafür sollten Familienrichter*innen spezifische Kenntnisse als qualitative Eingangsvoraussetzungen nachweisen – auch auf Gebieten des Kinder- und Jugendhilferechts, der Psychologie, der Pädagogik und Jugendarbeit.

Für Richterinnen und Richter und Verfahrensbeistände braucht es ein bundeseinheitliches Recht und eine Pflicht zu kostenfreien Fortbildungen, und für all das braucht es genügend Fort- und Weiterbildungsangebote. Um Kinder in Zukunft vor Straftäter*innen zu schützen, wollen wir, dass Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern – außer in jugendstrafrechtlichen Verfahren – grundsätzlich zeitlich unbegrenzt in das erweiterte Führungszeugnis aufgenommen werden.

Wichtigstes Ziel ist, Taten zu verhindern

Diese Maßnahmen sind allerdings nur ein Schritt zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Oberstes Ziel muss sein, Taten zu verhindern. Daher fordern wir in unserem Antrag, dass Bund und Länder gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen und umfassende Maßnahmen auf den Weg bringen. Denn es braucht Aufklärung, Qualifizierung und gelebte Schutzkonzepte. Dazu gehört unter anderem:

  • Die dringend erforderliche Personalaufstockung in den Jugendämtern schnellstmöglich anzupacken. 
  • Die Ermittlungsbehörden zu stärken und die Strafverfolgung zu intensivieren.
  • Das Personal in pädagogischen und sozialen Berufen zu qualifizieren und Kinderschutz in die ärztliche Aus- und Weiterbildung zu integrieren.
  • In der jetzt entstehenden SGB-VIII-Reform die Einrichtung unabhängiger Ombudsstellen festzuschreiben und die Kooperationsverpflichtung der Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Kinderschutz mit anderen Bereichen auszuweiten: auf Schulen, Strafverfolgungsbehörden, Gerichte.
  • Bundesweit braucht es spezialisierte Fachberatungsstellen, vor allem in ländlichen Regionen, und telefonische und online-Beratungsangebote, die dauerhaft finanziell abgesichert sind.
  • Umfassende Schutzkonzepte auf allen Ebenen auf den Weg bringen: im Spitzensport genauso wie in Kitas und Schulen und allen anderen Einrichtungen, in denen sich Kinder aufhalten oder in denen sie betreut werden.
  • Flächendeckende Therapieangebote für von Gewalt betroffene Kinder.

Zum Kinderschutz gehört es auch, alle staatlichen Ebenen und Gewalten in unserer Verfassung dazu zu verpflichten, das Kindeswohl in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen zu stellen. Dafür müssen Kinderrechte endlich mit einer starken Formulierung ins Grundgesetz. Denn Kinder alleine können sich nicht helfen. Sie brauchen Erwachsene die hinschauen – Erwachsene die handeln.