Nationale Weiterbildungsstrategie

Weiterbildung größer denken

Eine Person hat einen Notizblock vor sich
Schwarz-rot hat die Digitalisierung der Arbeitswelt und den Wandel der Industrie verschlafen. Ihre Nationale Weiterbildungsstrategie ist keine Antwort auf die kommenden Veränderungen. NeONBRAND / unsplash
12.06.2019

Weiterbildung ist ein Mega-Thema, das alle Menschen betrifft. Die öffentlichen Ausgaben von Weiterbildung aber stagnieren seit 20 Jahren. Das zeigt: Die schwarz-rote Koalition hat die Digitalisierung der Arbeitswelt und den Wandel der Industrie bisher komplett verschlafen. Die Folgen wiegen schwer: Beim Zugang zu guten Angeboten gilt noch immer das Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Hochschulabsolventen nehmen heute drei Mal häufiger an Weiterbildungen teil als Menschen ohne Berufsausbildung. Das ist ungerecht und schadet auch der Wirtschaft.

Weiterbildungsstrategie braucht Investitionsoffensive

Es ist gut, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihren Beitrag leisten, damit die Weiterbildung in Deutschland vorankommt. Auf diesem Engagement darf sich die Bundesregierung aber nicht ausruhen.

Die MinisterInnen Heil und Karliczek sollten vor allem die soziale Absicherung stärker in den Blick nehmen. Denn das beste Bildungsangebot hilft wenig, wenn Menschen mit geringen Einkommen, Alleinerziehende oder ältere ArbeitnehmerInnen gar nicht daran teilnehmen können, weil ihnen das Geld und die Unterstützung durch den Arbeitgeber fehlen. Ohne milliardenschwere Investitionsoffensive droht die Strategie der Bundesregierung als Papiertiger zu enden.

Weiterbildung muss größer und weiter gedacht werden

Digitalisierung und technischer Fortschritt krempeln unsere Lebens- und Arbeitswelt seit einigen Jahren rasant um. Uns ist wichtig, dass alle Menschen diesen Wandel mit Mut und Zuversicht gestalten können. Dafür wollen wir Weiterbildung weiterdenken. Wo die Unterstützung vom Betrieb und das eigene Einkommen nicht reichen, sehen wir die Gesellschaft in der Verantwortung, berufliche Entwicklung und gute Karrierechancen zu ermöglichen.

Die junge Erzieherin, die nach der Elternzeit noch einmal studieren möchte, wollen wir dabei genauso fördern wie den zugewanderten Taxifahrer, der seinen Schulabschluss nachholen möchte. Dem Computer-affinen Erwerbslosen, der seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem Programmierkurs verbessern möchte, wollen wir genauso unter die Arme greifen, wie der Pflegeassistentin auf ihrem Weg zur Pflegedienstleiterin.

Jeder hat das Recht auf Weiterbildung

Weiterbildung ist heute genauso wichtig wie Schule, Studium oder berufliche Erstausbildung.

Es ist deshalb höchst Zeit, dass das lebensbegleitende Lernen zu einem gleichberechtigten Teil des öffentlichen Bildungsauftrags wird. Dazu gehört ein starkes Recht auf Weiterbildung, das wir in der Nationalen Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung vergeblich suchen. Dieses Recht auf Weiterbildung darf es nicht nur auf dem Papier geben, sondern es muss sich auch in starken Institutionen abbilden, die gute Angebote, persönliche Beratung und bei Bedarf auch passgenaue Förderung zu den Menschen bringen. Wir wollen rechtliche und praktische Hürden beseitigen und die Zugänge für alle vereinfachen.

Beste Beratung unter einem Dach - kompetent, direkt, lebensnah

Jede Weiterbildung beginnt mit guter Beratung, die sowohl in der Stadt als auch im ländlichen Raum für alle wohnortnah erreichbar sein muss.

Konkret heißt das: Wir wollen in jeder Kommune Bildungsagenturen schaffen, in denen sich die Akteure vor Ort intelligent vernetzen. Statt dem Dschungel an Angeboten bauen wir ein transparentes Netz, in dem jeder ein passendes Angebot finden kann.

Hier gibt es persönliche Beratung, Informationsmaterial und Unterstützung für alle, die nicht von ihrem Arbeitgeber unterstützt werden. Von einem Recht auf Weiterbildung profitiert die Erzieherin aus Bochum genauso wie der Kohlekumpel aus der Lausitz.