Aktionsplan

Besserer Schutz vor hormonstörenden Chemikalien

Plastik ist überall, auch in unseren Körpern. Die davon ausgehenden Gesundheitsrisiken sind wenig bekannt, dürfen aber nicht ignoriert werden. dpa
07.11.2019
  • Hormonstörende Chemikalien können Schäden an unserer Gesundheit hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet hormonstörende Chemikalien als globale Gesundheitsbedrohung.
  • Die Chemikalien werden unter anderem als Konservierungsstoffe in Kosmetika, als Flammschutzmittel in Textilien oder als Weichmacher in Plastikflaschen, Verpackungen und Spielzeug verwendet.
  • Wir fordern die Bundesregierung auf, nach dem Vorbild Frankreichs einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor hormonstörenden Chemikalien vorzulegen.

Hormonstörende Chemikalien sind tückisch. Sie können bereits in geringsten Dosen extrem schädlich sein. Vor allem in wichtigen Entwicklungsphasen als Fötus, in der Kindheit oder der Pubertät kann es schwerwiegende Folgen haben, diesen Chemikalien ausgesetzt zu sein.

Multiple Gesundheitsbedrohungen

In wissenschaftlichen Studien werden sie mit Prostata-, Hoden- und Brustkrebs, Diabetes, Gewichtszunahme, allergischem Asthma, ADHS, Autismus sowie der Abnahme der mittleren Intelligenz in vielen westlichen Ländern in Zusammenhang gebracht.

Der zunehmende Einsatz dieser Chemikalien könnte aber auch eine Ursache für das frühere Einsetzen der Pubertät, Fehlbildungen an männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen und abnehmende Fruchtbarkeit sein.

Es ist höchst beunruhigend, dass die Spermiendichte im Ejakulat von Männern mit westlichem Lebensstil seit Jahren massiv abnimmt und die Brust- und Hodenkrebsrate von 1980 bis 2010 deutlicher zugenommen hat als erwartet.

Pflicht zur Vorsorge

Wir dürfen daher die Gefahr, die von diesen gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen ausgeht, nicht vernachlässigen, wenn wir über Plastikmüll in der Umwelt sprechen. Es muss ernst genommen werden, dass im Rahmen einer Studie des Umweltbundesamtes im Urin praktisch aller Kinder und Jugendlichen Abbauprodukte von Plastikinhaltsstoffen nachgewiesen wurden.

Dass die jeweiligen Konzentrationen gering sind, ist nicht automatisch Grund zur Entwarnung. Bisher ist zu wenig erforscht, wie die vielen nachgewiesenen Stoffe in ihrer Summe auf unsere Körper wirken. Vorsorge ist Verpflichtung, wir müssen alles daran setzen, die Menschen vor schädlichen Chemikalien zu schützen.

Gefahren wenig bekannt

In der deutschen Öffentlichkeit entwickelt sich erst langsam ein Bewusstsein für die Gefahren und Folgen des Einsatzes von hormonstörenden Substanzen. Der von uns in unserem Antrag geforderte Aktionsplan soll deshalb auch Aufklärungskampagnen enthalten, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren.

Durch regelmäßige Analysen von Importprodukten soll außerdem sichergestellt werden, dass bereits verbotene Chemikalien nicht unkontrolliert weiter auf den Markt kommen können und belastete Produkte konsequent zurückgerufen werden.  

Verbote und Kennzeichnungen

Bei einigen Stoffen fordern wir, dass Deutschland seinen rechtlichen Spielraum nutzt, und etwa ein Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelbedarfsgegenständen durchsetzt, wie es in Frankreich bereits besteht. Einem Vorstoß von Frankreich haben wir es außerdem zu verdanken, dass Bisphenol A mittlerweile zumindest in Babyflaschen europaweit verboten ist. Auch ein Verbot von Per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) in Lebensmittelbedarfsgegenständen aus Pappe und Papier ist nötig, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.

Solange hormonstörende Stoffe weiter in Produkten enthalten sind, braucht es eine konsequente und leicht verständliche Produktkennzeichnung, damit Bürgerinnen und Bürger eine informierte Kaufentscheidung treffen können.

Gefahren EU-weit bannen

Auf EU-Ebene muss sich die Bundesregierung unter anderem dafür einsetzen, dass schnellstmöglich alle bekannten möglichen hormonstörenden Chemikalien durchgeprüft und reguliert sind. Das Ziel muss sein, dass Stoffe mit schädlichen Eigenschaften nicht mehr verwendet werden dürfen.