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Der grüne Hitzeaktionsplan

Mit der Klimakrise steigen in Deutschland die Temperaturen im Sommer extrem an. Mehr als 40 Grad wurden in diesem Jahr schon gemessen. Diese hohen Temperaturen sind eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Hitzewellen werden immer häufiger. Auf die Vermeidung hitzebedingter Gesundheitsschäden ist die Bundesregierung unzureichend vorbereitet. Deutschland braucht einen einheitlichen Hitzeaktionsplan. Grüne Bundestagsfraktion / Stefan Kaminski
25.07.2019

Die Klimakrise ist eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. 2018 gab es allein in Hessen und Berlin über 1000 hitzebedingte Sterbefälle. Durch die Klimakrise werden Hitzewellen immer häufiger. Auf die dadurch verursachten Gesundheitsschäden ist die Bundesregierung nur unzureichend vorbereitet. In einem grünen Hitzeaktionsplan stellen Anton Hofreiter und Bettina Hoffmann zusammen, was passieren muss, um unsere Gesundheit vor Hitze zu schützen.

Der Lancet Countdown, herausgegeben vom Ständigen Ausschuss der Ärzte der Europäischen Union, bezeichnet den Klimawandel als die größte Bedrohung für die Gesundheit im 21. Jahrhundert.

Im vergangenen Jahr waren 18 Millionen mehr besonders gefährdete Personen Hitzewellen ausgesetzt als noch 2016. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren es sogar 157 Millionen mehr. Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch Kleinkinder bekommen die Klimaerhitzung am eigenen Leib zu spüren. Sie sind anfälliger für Hitzekrämpfe oder Dehydrierung und leiden vermehrt unter Herz-Kreislauferkrankungen.

Wir brauchen eine bundesweite Strategie im Umgang mit Hitze

Die Bundesregierung belässt es bisher bei unverbindlichen Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen und wälzt die Verantwortung für eine Anpassung an Extremwetterereignisse auf die Länder und Kommunen ab. Um den Schutz der Bürgerinnen und Bürgern in der Breite sicherzustellen braucht es jedoch eine einheitliche Strategie, wie wir sie im Grünen Hitzeaktionsplan skizzieren.

Es muss sichergestellt werden, dass Bürgerinnen und Bürger einen einfachen Zugang zu Informationen im Umgang mit Hitzewellen haben, zum Beispiel  durch ein bundesweites Beratungstelefon.

Gesundheitseinrichtungen müssen besser an Hitzeereignisse angepasst werden, in dem „kühle Räume“ oder ein besseres Raumklima durch Gebäudeanpassungen geschaffen werden. Das Recht auf Home-Office für alle Beschäftigten, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen, kann bei Hitzewellen zum Gesundheitsschutz beitragen. Und auch ArbeitnehmerInnen, die im Freien arbeiten und der Hitze besonders ausgesetzt sind, wie auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder der Gebäudereinigung, müssen bei gesundheitsgefährdender Hitze ein Recht auf Hitzefrei, also reduzierte Arbeitszeit, erhalten. Dort, wo es möglich und nötig ist, schlagen wir Betriebsvereinbarungen vor, mit denen passgenaue Lösungen zum Thema "Hitzefrei" getroffen werden können.

Das Thema Klimawandel und Gesundheit sollte angesichts der weiter zunehmenden Relevanz in Medizinstudiengängen stärker berücksichtigt werden.

Neues Bund-Länderprogramm: Mehr grüne Infrastruktur bei der Städtebauförderung

Auch städtebauliche Anpassungen sind notwendig, um hitzebedingte Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Innenstädte, die teilweise bis zu acht Grad heißer sind als das Umland, machen deutlich, dass wir das Leben in Städten neu denken müssen. Wir wollen, dass es auch im Sommer weiterhin möglich ist, sich im Freien und nicht nur in klimatisierten Innenräumen aufzuhalten.

Damit Städte nicht zu Hitzeinseln werden, müssen sie zum Wohl des Klimas und der Menschen begrünt, mit öffentlichen TrinkBars für eine flächendeckende und kostenlose Versorgung mit Trinkwasser ausgestattet und durch Frischluftschneisen gekühlt werden.

Wasserflächen und Parks oder Gründächer und –fassaden wirken wie natürliche Klimaanlagen. Um bei der Finanzierung solcher Maßnahmen zu unterstützen, soll der vorsorgende Gesundheitsschutz gegen klimawandelbedingte Überhitzung in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt integriert und ein neues Bund-Länder-Programm Grüne Infrastrukturen in der Städtebauförderung etabliert werden.