Stiefkindadoptionen

Rückschlag für Regenbogenfamilien

Ein Mädchen hält sich am 08.11.2016 in Mainz (Rheinland-Pfalz) das Maskottchen der Einrichtung "Blauer Elefant" vor das Gesicht. Das Kinderhaus Blauer Elefant ist ein offenes Haus für 6- bis 12-jährige Schulkinder.
Das Adoptionshilfegesetz beinhaltet die dringend notwendige Reform des Adoptionsrechts, die dem Kindeswohl dient. Zugleich vertieft es die Diskriminierung von Regenbogenfamilien. Das muss verhindert werden. dpa
28.05.2020
  • Das Adoptionshilfegesetz beinhaltet die dringend notwendige Reform des Adoptionsrechts, die dem Kindeswohl dient. Gleichzeitig vertieft es die Diskriminierung von Regenbogenfamilien, die verhindert werden muss.
  • Gleichgeschlechtliche Ehen, in die ein Kind hineingeboren wird, sollen nicht nur, wie derzeit, vom Jugendamt und Familiengericht überprüft werden. Zusätzlich sollen sie zu einer Beratung verpflichtet werden, deren Ergebnisse die richterliche Entscheidung beeinflussen werden. Das ist nicht nur unsinnig, sondern stellt eine weitere Gängelung dar, unter der Regenbogenfamilien und vor allem Kinder leiden werden.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen Regenbogenfamilien mit anderen Herkunftsfamilien gleichstellen, indem die Ehefrau der Mutter wie bei heterosexuellen Ehen automatisch als Elternteil anerkannt wird.

Das Wohl von Kindern muss bei Adoptionen immer im Mittelpunkt stehen. Deshalb begrüßen wir es im Sinne der Kinder, dass der Entwurf des Adoptionshilfegesetzes aus dem Familienministerium auf mehr Offenheit und auf eine stärkere Einbindung sämtlicher an einer Adoption Beteiligten abstellt. Dies gilt für den geplanten erleichterten Zugang zu Informationen über die eigene Herkunftsfamilie ebenso wie für den vorgesehenen Rechtsanspruch auf eine professionelle Begleitung aller Beteiligten vor und auch nach der Adoption. Und auch das Verbot unbegleiteter Auslandsadoptionen begrüßen wir. All dies stärkt die Position und den Schutz der betroffenen Kinder und Jugendlichen und macht Beratung und Unterstützung für alle an einer Adoption Beteiligten endlich verbindlich.

Für Frauenpaare und ihre Kinder bedeutet die Reform des Adoptionshilfegesetz eine drastische Verschlechterung

Allerdings betrifft dieses Gesetz eben auch lesbische und bisexuelle Frauenpaare, die nur durch die Stiefkindadoption für Rechtssicherheit für ihre Kinder und sich sorgen und zwei rechtliche Eltern werden können. Und damit trifft das Gesetz Regenbogenfamilien hart. Es dient mitnichten dem Kindeswohl.

Für Frauenpaare und ihre Kinder bedeutet diese Reform eine drastische Verschlechterung ihrer ohnehin schon sehr ungerechten Ausgangslage. Damit werden Regenbogenfamilien wie Familien zweiter Klasse behandeln. Anstatt Frauenpaaren die automatische Anerkennung der Elternschaft zu gewähren, wie es bei heterosexuellen Paaren eine Selbstverständlichkeit ist, verlängert sich für sie der Adoptionsprozess jetzt noch.

Grüner Gesetzentwurf

Rechte von Kindern, die in eine Beziehung hineingeboren werden, sollten nicht über Adoption geregelt werden. Das fordern wir Grüne im Bundestag schon lange. 2018 haben wir dazu einen Gesetzesentwurf eingebracht, der bedauerlicherweise Anfang 2020 abgelehnt wurde.

In der letzten Wahlperiode hat zudem der Arbeitskreis Abstammungsrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bereits empfohlen, dass sich die Situation von lesbischen Ehepaaren in Deutschland ändern muss. Mittlerweile gab es drei SPD JustizministerInnen - aber immer noch kein Gesetz.

Deshalb haben wir sowohl im Familienausschuss als auch im Plenum des Bundestages einen Änderungsantrag gestellt, der leider mit der Stimmen der CDU/CSU, der SPD und der AFD abgelehnt wurde. Dennoch bleiben wir am Ball und werden weiterhin gegen Diskriminierung von Regenbogenfamilien kämpfen.