MeeresschutzkonferenzDas Meer ist Lebensraum, nicht Müllkippe

Unsere Meere sind der größte Lebensraum der Erde. Sie sind die Schatzkammern der Artenvielfalt und von unschätzbarem Wert für uns alle. Dennoch vergiften wir sie täglich und müllen sie zu. Die Konsequenzen zeigen sich immer deutlicher: mittlerweile treiben riesige Müllstrudel im Meer, Meerestiere verenden qualvoll am verschluckten Plastik. Die Landwirtschaft spült Unmengen an Stickstoff und Pestiziden ins Meer. Müll aus der Fischerei, wie zum Beispiel die Geisternetze, bringt das empfindliche Ökosystem weiter aus dem Gleichgewicht. Die grüne Bundestagsfraktion hat sich mit Experten und interessierten Bürgerinnen getroffen, um die Vermüllung der Meere mit ihren verschiedenen Facetten zu beleuchten und mögliche Handlungsfelder auszuloten.

Verschmutzung der Meere stoppen!

Der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter machte unmissverständlich deutlich, dass Vermüllung, Vergiftung und Ausbeutung der Meere gestoppt werden muss und die Politik zum Handeln aufgefordert ist. Er erinnerte daran, dass es europäische Fangflotten sind, die die Fische vor Westafrika im großen Stil erbeuten und damit den Lebensunterhalt der heimischen Bevölkerung untergrabe. Wenn wir das Meer vergiften oder ausbeuten, müsse man sich dann nicht überrascht zeigen, wenn sich Menschen die ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden, auf den Weg machen und in Europa nach einer gesicherten Zukunft suchen.

Die atemberaubende Schönheit und Faszination der Unterwasserwelt brachte Lars Abromeit, Autor und GEO-Journalist, den Konferenzteilnehmern mit eindrücklichen Bildern näher. Er machte dadurch deutlich, was für den Menschen auf dem Spiel steht, wenn die Mülllawinen ins Meer nicht gestoppt werden.

30 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Meer

Laut einer Studie des Umweltbundesamts landen bis zu zehn Prozent der jährlichen Kunststoffproduktion in den Weltmeeren. Das sind bis zu 30 Millionen Tonnen Plastik. Gleichzeitig ist Plastik ein Werkstoff, der aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist: man denke nur an den Schnorchel und die Taucherbrille, die uns die Schönheit der Unterwasserwelt erkunden lassen. In diesem Spannungsfeld bewegte sich die Diskussion zwischen Stefanie Werner vom Umweltbundesamt, Dr. Rüdiger Baunemann von PlasticsEurope, Dr. Kim Cornelius Detloff vom NABU und Peter Meiwald, dem Sprecher für Umweltpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Stefanie Werner machte gleich zu Anfang der Diskussion deutlich, wie schwerwiegend das Plastikproblem im Meer bereits ist: So haben 95 Prozent der tot aufgefundenen Eissturmvögel Plastik im Magen und in 98 Prozent der Basstölpel-Nester auf Helgoland sind Plastikreste verbaut. Bei diesen Ausmaßen kann auch die Kunststoffindustrie das Problem nicht ignorieren.

Bei einer stetig anwachsenden weltweiten Produktion stellt sich die Frage, ob wirklich so viel Plastik gebraucht wird. In Deutschland hat die Menge an Kunststoffverpackungen seit 2009 um fast ein Drittel zugenommen. Besonders der Boom von Produkten wie Kaffeekapseln, Einwegbechern- und Flaschen hat massive Umweltfolgen – auch im Hinblick auf Ressourcenverschwendung. Peter Meiwald sprach sich deshalb für mehr Anreize bei der Müllvermeidung und dem Recycling aus. Wenn die Hersteller nicht von selbst Konzepte zur Müllvermeidung auflegten, müsse auch über Umweltabgaben nachgedacht werden. Für bestimmte Einsatzbereiche könne auch abbaubares Plastik eine Lösung sein, allerdings existiert bisher noch kein Standard für die Abbaubarkeit in der Meeresumwelt.

Gülle: vom Feld ins Meer

Deutschlands Flüsse, Gewässer und Meere sind stark belastet durch Nitrat, Pestizide, übermäßige Düngung und Stickstoff. Ursache ist hauptsächlich die industrielle Landwirtschaft. Während Bernhard Krüsken vom Bauernverband befand, die vorgelegte Version der Düngeverordnung verlange den Landwirten einiges ab und würde den Problemen gut begegnen, widersprach Matthias Meißner vom WWF und verwies auf die teils dramatische Situation in der Ostsee und die Klage der EU-Kommission gegen Deutschland aufgrund der hohen Nitrat-Werte in den Gewässern. Auch Steffi Lemke nahm die industrielle Landwirtschaft in die Verantwortung, sie trage Hauptverantwortung für das nationale Artensterben und sei Hauptursache für den schlechten Zustand deutscher Flüsse, Gewässer und Meere. Die jetzige Situation mache es nötig, dass die Politik handelt und Maßnahmen gegen diese großflächige Naturzerstörung ergreift. Sie forderte, dass die Düngegesetzgebung nun schnell und an der Umwelt orientiert mit einer Hoftorbilanz umgesetzt wird sowie eine Strategie, um den Einsatz von Stickstoff zu begrenzen. Insgesamt brauche es eine Landwirtschaft, die mit Umwelt, Natur und Tierschutz im Einklang steht.

Überfischung und Geisternetze

In der Diskussionsrunde "Fischerei und Meeresschutz – Wie passt das zusammen?" diskutierte Valerie Wilms mit dem Greenpeace-Fischereiexperten Thilo Maack, der Programmdirektorin Deutschland des Fischlabels MSC, Stefanie Kirse, und dem Unterabteilungsleiter Fischerei beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Alois Bauer. Die neue Gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union (GFP) soll dazu beitragen, die Fischbestände wieder zu erneuern. Doch wie kann dieses Ziele der GFP erreicht werden? Zur Erholung der Bestände kann ein Fischereiverbot sowie das Verbot bestimmter Fangtechniken beitragen. Dazu liegen entsprechende Gesetzesankündigungen der Bundesregierung vor, die kontrovers diskutiert worden. Auch umhertreibende Geisternetze machen den Meereslebewesen zu schaffen: Tiere können sich darin verfangen und qualvoll sterben. Es ist an der Bundesregierung, zügig eine Kennzeichnungspflicht für Fischereinetze einzuführen, um verloren gegangene Netze und deren Eigentümer besser zurückverfolgen zu können.

Steffi Lemke verwies darauf, dass bei Klimakrise, Artensterben und Stickstoffkreisläufen die planetaren Grenzen bereits überschritten sind. Aber auch die Versauerung der Ozeane wird ein immer dringenderes Problem. Dies zwingt die Weltgemeinschaft zum Handeln, hier sind gemeinsame Anstrengungen nötig. Denn die Zivilgesellschaft ist immer weniger bereit, sich diese Umweltzerstörung bieten zu lassen. Steffi Lemke kündigte weitere Arbeit der grünen Bundestagsfraktion, eine enge Zusammenarbeit mit den Verbänden und der Zivilgesellschaft zum Thema Meeresschutz an, um der Vermüllung der Meere entgegenzuwirken.

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