Niedrigwasser an deutschen Flüssen 2018

Die Klimakrise erreicht unsere Flüsse

Die Mehrheit der deutschen Flüsse hatte 2018 Wassermangel – mit fatalen Auswirkungen für Umwelt und Artenvielfalt. Hier der Rhein bei Düsseldorf. picture alliance/imageBROKER
18.07.2019

An neun der 15 größten Flüsse Deutschlands herrschte 2018 an mehr als 100 Tagen im Jahr 2018 extremes Niedrigwasser: An Oder, Saale und Aller bestand an mehr als 150 Tagen des Jahres 2018 extremes Niedrigwasser, am Rhein waren es 132 Tage, an der Elbe waren es sogar 183 Tage. Das zeigt die Antwort auf unsere schriftliche Frage an die Bundesregierung. Das Problem hat sich im Vergleich zu den vorherigen Jahren deutlich verschärft.

Wassermangel hat fatale Auswirkungen auf Umwelt und Artenvielfalt

Dieser Wassermangel hat fatale Auswirkungen auf Umwelt und Artenvielfalt, denn für Tiere und Pflanzen ist dieser Wassermangel der pure Stress, wie unsere Kleine Anfrage zeigt. Flüsse und Seen drohen Niedrigwasser und hohe Temperaturen. Kälteliebende Arten wie die Bachforelle werden zunehmend verdrängt und ganzen Fischpopulationen droht in Folge von ausgetrockneten Gewässern das Aussterben. Weiterhin wirkt sich die erhebliche Erwärmung des Wassers negativ auf den Sauerstoffhaushalt des Flusses aus und  aufgrund geringerer Verdünnung kann es auch zu erhöhten Schadstoffkonzentrationen kommen. Es zeigt sich erneut, wie eng Klimakrise und Artensterben miteinander verbunden sind. Niedrigwasser kann entsprechend auch massive Auswirkungen auf Betriebe haben, die Wasser zum Beispiel zur Kühlung entnehmen oder die betroffenen Flüsse für die Schifffahrt nutzen. Auch der Mensch ist betroffen: Die Bundesregierung kann Auswirkungen auf das Grundwasser nicht ausschließen. Eine stärkere Nutzung der Grundwasservorräte ist schon jetzt erkennbar, dauerhaft ist insbesondere  in trockenen Regionen die Grundwasserneubildung betroffen. Die Klimakrise wird diese Extreme weiter verstärken.

Wir brauchen jetzt ein Klimaschutzgesetz

Die Bundesregierung muss im Kampf gegen die Klimakrise endlich liefern. Dafür braucht es endlich einen schnellen Kohleausstieg, einen wirksamen CO2-Preis und ein wirksames Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Zielen für die einzelnen Ressorts. Außerdem müssen Bund und Länder mehr für den Schutz der frei fließenden Flüsse tun, denn sie sind die Lebensadern unserer Landschaft.

Flüsse und Seen sind Hotspots der biologischen Vielfalt. Doch diese Quellen und Rückzugsorte unserer Artenvielfalt sind akut bedroht. Arten wie Lachs und Flussperlmuschel sind vom Aussterben bedroht, Aal und Rotbauchunke stark gefährdet. 56% der Fischarten, 68% der Amphibien und 80% der Libellen, die geschützt sind, geht es schlecht, das macht eine weitere Kleine Anfrage deutlich. Begradigte, verengte und vertiefte Flüsse und Seen voller Ackergifte und Dünger aus der Landwirtschaft können vielen Tieren und Wasserpflanzen keinen Lebensraum mehr bieten. Seit Jahren versagt die Bundesregierung beim Schutz unserer Fluss- und Seelandschaften, obwohl sie dazu verpflichtet ist. Bis allerspätestens 2027 sollen unsere Gewässer einen guten ökologischen Zustand erreichen. Aktuell verfehlen gut 93 Prozent dieses Ziel. Konkrete Schritte, wie eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft, die zu viel Gift und Dünger einsetzt, und mehr Raum für natürliche Ufer und Auenwälder, sind dringend erforderlich. Weitere Forderungen finden sich in unseren Anträgen „Wasser musss sauber und bezahlbar bleiben“ und „Grundwasser schützen, Überdüngung stoppen“.