Artenvielfalt

Ein Drittel der Wildpflanzen bedroht

Bedrohte Wildpflanze Ackerhasenohr / (Bupleurum rotundifolium) / Rundblättriges Hasenohr
Viele Wildpflanzen sind bereits ausgestorben, weitere be-droht. Ursache ist die intensive Landwirtschaft. Es braucht entschlossenes Handeln, damit dieser Artenschwund stoppt. Foto: Rundblaettriges Hasenohr / Acker-Hasenohr picture alliance / Arco Images GmbH
23.07.2019

Die Zahlen zum Artensterben bei Wildpflanzen sind dramatisch: Knapp ein Drittel der Wildpflanzen in Deutschland sind gefährdet. Mindestens 149 Arten sind schon heute ausgestorben, das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf unsere schriftliche Frage.

Blütenpflanzen wie die Wiesen-Küchenschelle oder das Ackerwildkraut Flammen-Adonisröschen sind bedroht. Die Gefährdungssituation der Farn- und Blütenpflanzen hat sich insgesamt verschlechtert und auf landwirtschaftlichen Flächen sind besonders Ackerwildkräuter gefährdet. Bei einer Algengruppe aus dem Plankton unserer Gewässer, den Zieralgen, ist sogar die Hälfte der Arten gefährdet.

Zu viel Gülle bedroht die Artenvielfalt

Wesentlichen Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt bei Wildpflanzen sind ein zu hoher Nährstoffeintrag durch Überdüngung und zu viel Gülle sowie die Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft. Viele Arten brauchen nährstoffarme Standorte wie Moore, Heiden oder Äcker, die nicht so intensiv bewirtschaftet werden. Diese werden aber zunehmend durch eine übermäßige Düngung der Landwirtschaft zerstört. So schadet die Vergüllung unserer Landschaft nicht nur unserem Wasser, sondern auch dem Reichtum von Tieren und Pflanzen. Denn wo Blumen fehlen, finden Insekten wie Bienen und Schmetterling keine Nahrung mehr – mit Auswirkungen für die ganze Nahrungskette und das lebenserhaltende Netz der Biodiversität.

Dringend geboten: Europäische Agrarreform neu starten

Es braucht entschlossenes Handeln, um diesen Artenschwund zu stoppen. Doch die Bundesregierung wird ihre selbst gesteckten Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, u.a. die Situation für Rote-Liste-Arten bis 2020 zu verbessern, nicht erreichen.

 Damit auch spätere Generationen noch Pflanzen wie Berg-Wohlverleih, Lämmersalat und Rundblättriges Hasenohr entdecken können, muss die Bundesregierung jetzt entschieden handeln: Wir müssen hin zu einer biodiversitäts-freundlichen Landwirtschaft, die Wasser, und Luft sowie Artenvielfalt und Boden schützt, anstatt zu schädigen.

Wir wollen großflächige pestizidfreie Gebiete schaffen und die Vergüllung der Landschaft beenden. Die Bundesregierung muss endlich gewährleisten, dass Deutschland die EU-Nitratrichtlinie erfüllt. Dafür braucht es ein Ende der industriellen Massentierhaltung.

Nötig ist auch ein Neustart der Verhandlungen zur europäischen Agrarreform. Wir wollen, dass Steuergeld nur noch für landwirtschaftliche Betriebe ausgegeben wird, die Umwelt- und Naturschutz- sowie Klima- und Tierschutz voranbringen.