Klimakrise

Immer mehr Badeverbote wegen Blaualgen

Ein Schild «Vom Baden wird abgeraten - Blaualgen» steht am Hohnsensee bei Hildesheim.
Die Klimakrise und die Massentierhaltung sorgen für immer mehr Badeverbote. Der Mix aus erhitzten Gewässern, Extremwettern und die Überdüngung aus der industriellen Landwirtschaft führt zu einer Vermehrung von Blaualgen in deutschen Gewässern. picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa
11.08.2019
  • Im Hitzesommer 2018 gab es insgesamt 47 Badeverbote durch Blaualgenblüten in deutschen Gewässern.
  • Blaualgen breiten sich besonders stark in nährstoffreichen und erhitzten Gewässern aus. Schuld daran sind die Klimakrise und die industrielle Massentierhaltung.
  • Die Bundesregierung muss Gewässerschutz endlich ernst nehmen. Wir brauchen ein Ende der Massentierhaltung und eine starke Düngeverordnung.

Die Zahl der Badeverbote hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht (2018: 47 Badeverbote, 2017: 18 Badeverbote). Damit ist 2018 das Negativ-Rekordjahr für Badeverbote in Deutschland. Seit 2011 hat es in der Bundesrepublik insgesamt 135 Badeverbote (128 temporäre und 7 ganzjährige Badeverbote) aufgrund von Blaualgenblüten gegeben. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf unsere schriftliche Frage.

Massentierhaltung führt zu Gewässer-Vergüllung

Wesentliche Ursache für die Zunahme der Blaualgenblüten in deutschen Gewässern liegen in der Zuspitzung der Klimakrise und der Vergüllung der Gewässer durch die industrielle Landwirtschaft. Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden.

Bei den Küstengewässern ist kein einziges in einem guten ökologischen Zustand. Das hat bereits die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleinen Anfragen zu Flüssen und Seen deutlich gemacht.

Klimakrise erhitzt die Seen

Auch die Klimakrise setzt den Gewässern weiter zu. Seen und Meere sind überhitzt und versauern, bieten damit auch einigen Algenarten besonders gute Bedingungen. Hinzu kommt, dass Wetterextreme - die im Zuge der Klimakrise vermehrt auftreten - nähstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche bringen und zusätzlich das Algenwachstum fördern.

Blaualgen sind gefährlich

Als Folge von starkem Algenwachstum droht im Fall der Blaualgenblüte statt kühler Erfrischung ein Badeverbot. Denn Blaualgen können insbesondere für Kinder und Menschen mit schlechtem Immunsystem gefährlich sein. Es drohen Übelkeit, Durchfall, Kopfweh oder Hautreizungen.

Todeszonen in der Ostsee

Auch die Artenvielfalt wird durch übermäßiges Algenwachstum gefährdet. Sauerstoffarme Zonen breiten sich im Zuge der Algenblüte aus und werden zur Gefahr für andere Arten. In Teilen der Ostsee ist das Ökosystem bereits vollkommen aus dem Gleichgewicht und riesige Todeszonen in denen kaum noch leben möglich ist, breiten sich aus.

Wir brauchen endlich einen Stopp der Überdüngung in der Landwirtschaft - durch ein Ende der Massentierhaltung, eine strengere Düngeverordnung und eine Agrarwende hin zu einer umweltverträglichen Landwirtschaft. Doch die Bundesregierung und insbesonder Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner blockieren hier jeden Fortschritt.

Ministerin Klöckner blockiert Düngeverordnung

Die Ministerin blockiert eine Düngeverordnung, die EU-Recht einhält und unsere Gewässer und das Grundwasser schützt. Sie nimmt damit nicht nur weitere Badeverbote in Kauf, sondern auch Strafzahlungen Deutschlands an die EU aufgrund der Nichteinhaltung des Gewässerschutzes.