Naturschutz

Kein Schutz für Insekten in Sicht - das Sterben geht weiter

Marienkäfer auf einer Blüte
Zahlreiche Studien belegen den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt. DerSilent / pixabay (CC0 1.0)
31.10.2019
  • Wir wollen das Artensterben stoppen und Insekten schützen.
  • Insekten, Vögel und der Reichtum der Artenvielfalt sind für uns wichtige Lebensgrundlagen, zum Beispiel für die Bestäubung durch Insekten. Zahlreiche Studien belegen einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt. 
  • Wir setzen uns für eine Agrarwende ein, die mit der Natur statt gegen sie arbeitet und ohne Gift und Vergüllung auskommt.

Karl der Käfer wurde nicht gefragt, aber er hätte nur seinen Kopf über das vom Kabinett beschlossene Insektenschutzaktionsprogramm geschüttelt. Ein Programm, das den Namen Insektenschutz verdient und dem Käfer Karl hilft hat die Bundesregierung nicht vorgelegt.

Sowohl qualitative wie auch quantitative Ziele, Maßnahmen und Instrumente fehlen in dem Programm komplett. Meist wird auf noch zu erarbeitende Programme verwiesen, die wie Nebelkerzen wirken und auf die man viele Jahre wird warten müssen. An vielen Stellen wird mit Modellvorhaben und Wettbewerben oder bereits bestehenden Vorhaben, die sowieso umgesetzt werden müssen, hantiert.

Pestizide reduzieren

Völlig verharmlost wird auch die Problematik des Einsatzes von Pestiziden. Insektizide töten Insekten direkt, andere Mittel nehmen ihnen die Nahrungsgrundlage. Doch statt auf Reduktionsstrategien, Verbote und eine geänderte Zulassungspraxis der Mittel zu drängen, werden diese Gifte nicht einmal in Schutzgebieten komplett verboten. Ihre Anwendung wird durch große Hintertüren offen gelassen.

Reform der Agrarpolitik überfällig

Der größte Hebel für einen wirksamen Schutz der Insekten ist die europäische Agrarpolitik. Doch diese kommt in dem Papier viel zu kurz. Ohne eine Reform der Agrarförderpolitik, ohne dass öffentliche Gelder nur noch für öffentliche Leistungen im Klima-, Natur-, Umwelt- und Tierschutz ausgegeben werden, wird es keine sichtbaren Verbesserungen für die Insekten und unsere Natur geben können.

Studie um Studie belegt, wie dramatisch es um die Insektenwelt steht und in welchem dramatischen Tempo Insekten und andere Tiere und Pflanzen ausgerottet werden. Den Anfang nahm die viel beachtete Krefelder Studie, die nachweist, dass wir innerhalb von 27 Jahren bis zu 75 Prozent der Insektenbiomasse verloren haben.

Im Mai 2019 legte der Bericht des UN Wissenschaftsrats zu Biodiversität (IPBES) Daten zu Biodiversitätsverlust auf dem ganzen Planeten vor. Demnach könnte in den nächsten Jahren bis zu einer Million Arten aussterben. Eine Studie der TU München bestätigt, dass nicht nur Fluginsekten, sondern ein Großteil aller Insektengruppen betroffen ist und ein Rückgang von bis zu 60 Prozent in nur 10 Jahren statt gefunden hat. Selbst in Wäldern schrumpfte die Biomasse an Insekten um 41 Prozent.

Vor diesem Wissen um den Verlust unserer Lebensgrundlagen muss die Bundesregierung dringend einen ambitionierten Maßnahmenkatalog vorlegen und umsetzen. Dieser muss sich an unserem grünen Aktionsplan messen lassen. Insektenschutz geht nur mit einer Agrarwende ohne Gift und zu viel Gülle auf den Äckern.