Biodiversität

Rasantes Artensterben bedroht unsere Lebensgrundlagen

Ein Nashhorn
Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, die Hälfte aller Korallen sind bereits verloren, Naturwälder wurden auf einer Fläche – mehr als acht Mal so groß wie Deutschland – zerstört. Wir Grüne im Bundestag wollen den Reichtum der Tiere und Pflanzen retten und die Aussterbekrise beenden. Pixabay / Pexels
09.07.2020
  • Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, die Hälfte aller Korallen sind bereits verloren, Naturwälder wurden auf einer Fläche – mehr als acht Mal so groß wie Deutschland – zerstört.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen den Reichtum der Tiere und Pflanzen retten und die Aussterbekrise beenden.
  • Wir setzen uns dafür ein, Pestizide zu reduzieren und Insekten zu schützen. Außerdem kämpfen wir für einen gesunden, artenreichen Wald.

Erschreckende Bericht aus der Wissenschaft zeigen schon lange: Wir befinden uns in einem menschengemachten, unsere Lebensgrundlagen bedrohenden Artensterben: Eine Million Tier- und Pflanzenarten werden in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht sein, die Hälfte aller Korallen sind bereits verloren, Naturwälder wurden auf einer Fläche – mehr als acht Mal so groß wie Deutschland – zerstört. Jeden Tag verschwinden immer weitere Arten von unserem Planeten, unser Ökosystem wird instabil: Der Bericht des Weltartenschutzrates zum Zustand der Natur von Mai 2019 kommt zu alarmierenden Schlussfolgerungen und ist ein Appell an die Weltgemeinschaft, das Artensterben als globale Bedrohung analog zur Klimakrise endlich ernst zu nehmen. Auch die Rote Liste des Weltnaturschutzorganisation IUCN aus Juli 2020 ist ein Indikator für die Gesundheit unserer Natur, doch wird die Liste länger und länger.

Aktuelle Studien zeigen auch in Deutschland, welch dramatisches Ausmaß das Insektensterben auf unseren Wiesen und in unseren Wäldern erreicht hat: Seit 1980 haben wir in der EU mindestens 300 Millionen Vogel-Brutpaare verloren, bei Arten wie dem Kiebitz ist zum Beispiel der Bestand seit 1990 um 80 Prozent zurückgegangen. In unseren Flüssen und Seen, eigentlich ein Paradies für viele Arten, sind inzwischen mehr als die Hälfte der geschützten Fischarten in schlechtem Erhaltungszustand, bereits über 80 Prozent der Süßwasserarten ausgestorben sind. Ein Drittel der Wildpflanzen in Deutschland ist gefährdet. Mit diesem nie da gewesenen Aussterben von Tier- und Pflanzenarten wird das sensible Ökosystem unseres Planeten instabil: Das Aussterben einer Art reißt eine Lücke in das aufeinander abgestimmte Netz der Natur, in der alle Arten miteinander verbunden sind. So ist der massive Verlust von Bestäuberarten kritisch für die natürlichen Nahrungsketten, auch die globale Landwirtschaft ist abhängig von der Bestäubung. Unsere Natur steht vor einer radikalen Krise, deren endgültige Folgen zu einem großen Teil noch nicht einmal abzusehen sind.

Auf lange Sicht mit Anton Hofreiter: Artensterben

Wieso sterben Tier- und Pflanzenarten aus - und wieso ist das eigentlich schlimm? Was bedeutet das Artensterben für uns Menschen? Wir sind Wandern mit Anton Hofreiter und sprechen über die großen Fragen unserer Zeit: Artensterben, Klimakrise, Plastikflut. Los geht's mit #1 zum Artensterben!

Endlich handeln für Biodiversität, Nachhaltigkeitsziele und Klimaabkommen

Uns fehlt die Zeit für weitere Ausreden: Die wissenschaftlichen Berichte zeigen fundiert, wie Millionen von Arten aussterben und die Weltgemeinschaft am Klimaabkommen von Paris und den Zielen zur Biodiversität scheitern wird, wenn wir jetzt nicht handeln. Entschlossene Maßnahmen sind nötig, um das Arten- und Insektensterben aufzuhalten, bevor der Mensch sämtliche Natur von unserem Planeten getilgt hat: Wir müssen handeln, bevor der Frühling endgültig verstummt und Felder und Wälder ohne die Reichtum von Pflanzen und Tieren sind.

Die Große Koalition wird das Artensterben nicht stoppen

Obwohl die Faktenlage klar ist, ergreift die Bundesregierung keine wirksamen Maßnahmen. Die bisherigen zaghaften Maßnahmen und das im September 2019 vorgestellte Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung reichen lange nicht aus, um das Artensterben in Deutschland zu stoppen. Ganz im Gegenteil: die Bundesregierung subventioniert mit bis zu 50 Milliarden jährlich die voranschreitende Naturzerstörung – durch ihre Landwirtschaftspolitik, durch ihre Verkehrspolitik, durch Zerschneidung und Versiegelung der Landschaft. Das neue Programm ist nur ein weiteres Papier mit Absichtserklärungen und geht die echten Ursachen des Artensterbens nicht an. Wir Grüne im Bundestag wollen die großen Artenkiller endlich stoppen: Dazu brauchen wir ein umfassendes Umsteuern in der Agrarpolitik, mehr Wildnis und konsequenten Meeresschutz.

Schluss mit Pestiziden, Agrarwende jetzt

Trotz aller Kontroversen hat der massive Einsatz von Pestiziden in Deutschland weiter kein Ende: So wird ein Apfelbaum in der Landwirtschaft in Deutschland durchschnittlich 20 Mal im Jahr mit Pestiziden bespritzt. Statt zusätzlich weiter hunderte Pestizide weiter ohne Prüfung zuzulassen, braucht es für den Erhalt unserer Artenvielfalt eine politische Agrarwende, die Agrargelder aus Steuermitteln nur noch an Betriebe bezahlt, die tatsächlich umwelt- und naturschutzfreundlich wirtschaften. Schluss sein muss auch mit Ackergiften wie Glyphosat und bienengiftigen Neonikotinoiden.

Für die Artenvielfalt: Mehr Wildnis und Meeresschutz in Deutschland

Neben naturfreundlicheren (Land-)Wirtschaftsformen brauchen wir auch mehr Wildnis und Wälder, in der Tiere und Pflanzen sich selbst überlassen bleiben und ihr ökologisches Gleichgewicht ohne den Bedrohungsfaktor Mensch ausbilden können. Für die Natura-2000-Schutzgebiete wollen wir Grüne mehr Geld zur Verfügung stellen.

Überfischung, Verschmutzung durch Überdüngung und die sich immer weiter ausbreitende Plastikflut zerstören die Artenvielfalt unserer Meere und Gewässer immer mehr, auch in Nord- und Ostsee. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich daher für eine Anpassung der Fangquoten an die wissenschaftlichen Empfehlungen und konsequenten Meeresschutz ein – mit Zonen ohne menschliche Nutzung und einem Verbot von Mikro- und Einwegplastik.

Kleine Anfragen & grüne Initiativen

Hier zeigen wir Grüne im Bundestag auf, wie wir den Reichtum der Tiere und Pflanzen retten und die Aussterbekrise beenden wollen:

In den letzten Wochen und Monaten haben Antworten der Bundesregierung auf Anfragen von uns gezeigt, dass das Artensterben auch in Deutschland dramatisch ist: