Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mehr Durchblick bei Gesundheitsapps

Schrittzähler auf einem Iphone
Mehr als 100.000 Gesundheitsapps tummeln sich in den Stores. Wir fordern mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher. Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
04.12.2019
  • Der Markt bei Gesundheitsapps ist unübersichtlich. Welche Apps wirklich etwas bringen oder beispielsweise nur die Daten absaugen, ist nur schwer erkennbar.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen mehr Qualität und Transparenz bei digitalen Gesundheitsanwendungen.
  • Wir schlagen ein Verzeichnis vor, in dem digitale Anwendungen aufgenommen und nach Qualitätskriterien bewertet werden. Außerdem soll der Nutzen von Apps besser geprüft werden.

In den großen App-Stores von Google und Apple tummeln sich inzwischen mehr als 100.000 digitale Anwendungen, die in irgendeiner Weise das Thema Gesundheit adressieren. Dazu zählen beispielsweise Diabetes- oder Migränetagebücher, Apps zur Rauchentwöhnung, Lauf-Apps sowie Apps zur Diagnose oder Therapie bestimmter Erkrankungen. Doch ob diese Apps wirklich etwas bringen oder nur Daten absaugen, ist häufig schwer erkennbar.

Mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher

Wir wollen für Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Transparenz schaffen, damit sie gute und für sie hilfreiche Apps schnell erkennen können. Die Bundesregierung muss zügig den Aufbau und den Betrieb eines gemeinnützigen Online-Verzeichnisses für Gesundheitsapps mit staatlichen Mitteln unterstützen oder alternativ in eigener Trägerschaft ein solches Verzeichnis aufbauen. Ein solches Verzeichnis bietet Orientierungshilfe bei der Auswahl vertrauenswürdiger Anwendungen.

Verknüpfung mit Qualitätssiegel möglich

Das Verzeichnis sollte sich beispielsweise an Angeboten wie etwa der Digital Apps Library des NHS England orientieren. Hier finden die Nutzerinnen und Nutzern eine Auswahl vertrauenswürdiger und sicherer digitaler Anwendungen. Die gelisteten und von den Anbietern eingereichten Anwendungen werden in einem mehrstufigen Prozess ausgewählt. Dabei müssen die Anbieter Fragen beispielsweise zur Wirksamkeit der Anwendungen, zur Sicherheit, zum Datenschutz, zur IT-Sicherheit sowie zur Nutzbarkeit beantworten. Die Antworten der Anbieter werden durch Expertinnen und Experten überprüft. Nach erfolgreicher Prüfung werden die Anwendungen in der Library veröffentlicht. Die Darstellungen in einem solchen Verzeichnis sollten ergänzt werden durch Kommentierungen und Erfahrungsberichte von Nutzerinnen und Nutzern. Zudem könnten in dem Verzeichnis gelistete Apps ein Qualitätssiegel erhalten.

Unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

Mit einem oder mehreren Verzeichnissen allein ist es allerdings noch nicht getan. Vielmehr braucht es aussagefähige Kriterien, nach denen die Apps bewertet werden können. Experten der Bertelsmann-Stiftung haben vor diesem Hintergrund ein einheitliches Set von möglichen Qualitätskriterien vorgeschlagen. Auf dieser Grundlage könnten Patientenorganisationen oder medizinische Fachgesellschaften durch Gewichtung der Kriterien eigene Einschätzungen der Apps vornehmen und entsprechende Empfehlungen aussprechen. Denn die Bewertung, welche App geeignet ist, entscheidet sich je nach Perspektive. Für Patientinnen und Patienten steht vielleicht die Nutzbarkeit und Verständlichkeit der Informationen im Vordergrund. Für medizinische Fachkräfte kommt es dagegen eher auf die Aktualität der verwendeten Daten oder die Verknüpfung mit anderen Anwendungen an.