Hebammen

Geburtshilfe – von Anfang an gut versorgt

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22.09.2020
  • Wir wollen einen Kulturwandel in der Geburtshilfe. Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern müssen im Mittelpunkt der Geburtshilfe stehen.
  • Sie müssen sich überall im Lande auf eine gute Versorgung vor, während und nach der Geburt verlassen können.
  • Wir wollen die Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe verbessern – vor allem in Geburtskliniken und ländlichen Räumen.

Die Geburt des eigenen Kindes ist für Eltern eine der prägendsten Erfahrungen im Leben - ein Wechselbad der Gefühle zwischen (Vor-)Freude, Erschöpfung und Unsicherheit. Eltern wünschen sich daher eine persönliche Begleitung durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, die ihnen einen geschützten Rahmen bietet und ihre Wünsche in den Mittelpunkt stellt.

Auch aus Sicht von Hebammen und Geburtshelferinnen sind persönliche Zuwendung und das Eingehen auf die Bedürfnisse der Frauen essentiell, um Familien einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Diese Wünsche und Ansprüche können derzeit oft nicht erfüllt werden.

Die Bundesregierung will einige Hebammenstellen in Krankenhäusern und Stellen für unterstützendes Personal über drei Jahre finanziell fördern. Doch das reicht nicht aus, um die Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe grundlegend zu verbessern.

Gute Betreuung während der Geburt

Nach einem Gutachten für die Bundesregierung kümmert sich eine Hebamme während einer normalen Schicht um drei Frauen oder um zwei Frauen während der eigentlichen Geburtsphase. An Tagen mit überdurchschnittlich vielen Geburten (durchschnittlich jede vierte Schicht) versorgen die allermeisten Hebammen (85 Prozent) mehr als drei Frauen parallel im Kreißsaal. So manche Schwangere fühlt sich daher über weite Strecken der Geburt allein gelassen. Dabei ist eine zuwendende Begleitung unter der Geburt wesentlich für ihren guten Verlauf. Nicht zuletzt steigert eine 1:1 Betreuung auch die Arbeitszufriedenheit der Hebammen.

Immer wieder gibt es Berichte, dass gerade in Großstädten und Ballungszentren einzelne Geburtskliniken zeitweise Frauen mit Wehen abweisen müssen, weil sie überfüllt sind. Wir wollen im Rahmen der regulären Investitionsförderung für Krankenhäuser ein Programm auflegen, mit dem gezielt der Ausbau von Kreißsälen an solch stark gefragten Kliniken gefördert wird. Das gilt insbesondere auch für Kliniken, die noch das ländliche Umland mitversorgen müssen.

Gute Betreuung vor und nach der Geburt

Einzelne Regionen in Deutschland klagen über eine Unterversorgung mit freiberuflichen Hebammen. Für Schwangere wird es dort zunehmend schwieriger, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden. Wir wollen Hebammen, die in diesen Regionen arbeiten, im Rahmen ihrer Vergütung einen Sicherstellungszuschlag zahlen. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, gerade in solchen Regionen tätig zu sein.

Frauen haben im Wochenbett bisher nur dann einen Anspruch auf eine Haushaltshilfe, wenn sie aus medizinischen Gründen den Haushalt nicht führen können und auch keine andere dort lebende Person dies übernehmen kann. Diese Gründe müssen aktuell immer ärztlich bescheinigt werden. Wir wollen den Anspruch ausweiten, jedes Wochenbett soll als solch ein medizinischer Grund anerkannt werden, ohne dass darüber hinausgehende Beschwerden vorliegen müssen. Insbesondere für Alleinerziehende soll die Haushaltshilfe somit zur Regel werden, wenn die Betroffenen dies wünschen.

Gute Versorgung auch während der Corona-Epidemie

Schwanger-Sein, Gebären, Elternwerden – das kann keine(r) wegen der Coronavirus-Pandemie aufschieben. Babys werden weiterhin geboren. Und Hebammen stehen Schwangeren, Gebärenden, Müttern und Familien in dieser Zeit weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Unterstützung ist nötiger denn je, denn viele sind durch die Pandemie verunsichert und haben Fragen. Darum müssen notwendige wirtschaftliche Hilfen auch für Hebammen gelten, Schutzausrüstung bei Bedarf auch ihnen ausreichend zur Verfügung stehen.

Haftpflichtversicherung bezahlbar machen

Die hohen finanziellen Belastungen durch die Haftpflicht haben in der Vergangenheit - neben der ständigen Rufbereitschaft und der schlechten Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf - bei immer mehr Hebammen und Belegärzt*innen dazu geführt, die Geburtshilfe aufzugeben. Insbesondere kleinere Kliniken mit Belegabteilungen wurden dadurch gezwungen, sich mangels Personal aus der Geburtshilfe zurückzuziehen. Wir wollen das gesamte System der Haftpflichtversicherung für die Geburtshilfe neu regeln, damit es transparent und bezahlbar wird.

Wir wollen

  • die Zahl der Hebammen in Kreißsälen steigern, so dass eine 1:1-Betreuung während der Geburt möglich ist;
  • Kliniken verpflichten, ihren Hebammen-Betreuungsschlüssel und ihre Maßnahmen zur Vermeidung von medizinisch unnötigen Kaiserschnitten zu veröffentlichen;
  • die Zahl der Kreißsäle in Ballungszentren ausbauen und zusätzlich die Ansiedlung von Geburtshäusern in räumlicher Nähe zu Kliniken fördern;
  • für mehr freiberuflich arbeitende Hebammen in der Geburtshilfe in unterversorgten Regionen sorgen durch einen Sicherstellungszuschlag;
  • die Arbeitsbedingungen für angestellte Hebammen in Geburtskliniken verbessern und hierzu auch die Tarifsteigerungen refinanzieren;
  • Ärztinnen und Ärzte gesetzlich dazu verpflichten, Schwangere über ihren Anspruch auf Hebammenhilfe zu informieren;
  • Mütter nach der Geburt stärker unterstützen und den Anspruch auf eine Haushaltshilfe nach der Geburt ausweiten, insbesondere auch für Alleinerziehende;
  • die teuren Haftpflichtversicherungen in der Geburtshilfe sowohl bei Hebammen als auch bei ÄrztInnen in ein öffentlich-rechtliches Haftpflichtsystem für alle Gesundheitsberufe überführen;
  • einen Geburtshilfegipfel, um alle relevanten Akteurinnen und Akteuren für eine Reform der Geburtshilfe an einen Tisch zu bekommen.