Impfschutz

Impfquoten nachhaltig steigern

Eine Spritze wird in einen Oberarm gestochen
Impfen ist richtig und wichtig, um sich vor Masern und anderen Infektionskrankheiten zu schützen. Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen nicht geimpft werden können. Wir haben Vorschläge, wie Impfquoten gesteigert werden können. whitesession / pixabay
11.10.2019
  • Infektionskrankheiten wie Masern können gefährlich werden. Doch noch immer verfügen vor allem junge Erwachsene nicht über den nötigen Impfschutz.
  • Impfungen dienen nicht nur dem eigenen Schutz, sie sind auch gelebte Solidarität gegenüber denjenigen Menschen, aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen.
  • Das Masernschutzgesetz der Bundesregierung greift viel zu kurz und ist handwerklich schlecht gemacht. Wir wollen stattdessen ein umfassendes Konzept, das vor allem auf Aufklärung setzt und alle Bevölkerungsgruppen in den Blick nimmt.

Impfungen sind ein wirksames Mittel, um Masern und andere übertragbare Krankheiten endlich zu überwinden. Auf diese gelebte Solidarität sind besonders diejenigen Menschen angewiesen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen.

Spahn muss endlich Konzept für Erwachsene liefern

Doch der wesentliche Grund, warum das Ziel, insbesondere die Masern endlich zu eliminieren, bis heute nicht erreicht wurde, liegt bei den jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe vor allem der 30- bis 50-jährigen liegen die Impfquoten bei Masern und anderen Infektionskrankheiten weit unter der von der WHO empfohlenen Rate von 95 Prozent.

Viele Maßnahmen des „Nationalen Aktionsplans 2015 - 2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland“ wurden bis heute nicht umgesetzt. Gesundheitsminister Spahn setzt stattdessen nur auf Schlagzeilen. Der Kabinettsentwurf des Masernschutzgesetzes hat erheblichen Lücken und zudem handwerkliche Fehler vor allem bei der Umsetzung der Impfpflicht durch die Kitas und Schulen. Ein Konzept, wie die Impflücken bei den Masern und anderen Infektionskrankheiten geschlossen werden können, ist hingegen nicht erkennbar.

Wirksame Strategie gegen Infektionskrankheiten nötig

Eine erfolgreiche Strategie zur Eliminierung der Masern und anderer Infektionserkrankungen muss vor allem auf Vernunft und den Willen zur gegenseitigen Solidarität setzen. Sie muss Falschinformationen und Verschwörungstheorien gezielt  entgegentreten und darauf abzielen, das Vertrauen der Menschen zu erringen sowie Ängste abzubauen statt sie einzuschüchtern. Sie muss darauf angelegt sein, Informationsdefizite und regionale Impfbarrieren systematisch zu identifizieren und vor Ort zu verringern. Sie darf sich nicht nur auf die Masern konzentrieren, sondern muss auch andere gefährliche Erkrankungen wie zum Beispiel Diphterie oder Polio in den Blick nehmen. Nur so wird es gelingen, diese Infektionskrankheiten endlich zu eliminieren.

Grüne Vorschläge für besseren Impfschutz

Wir schlagen in unserem Antrag vor, dass Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten gezielt einladen, um ihren Impfschutz zu vervollständigen. Ein digitaler Impfpass soll sicherstellen, dass niemand mehr nach seinem Impfpass suchen muss und die Informationen zum Impfstatus immer aktuell sind. Eine App auf dem Smartphone erinnert dann daran, wenn eine Impfung fällig ist.

Alle Ärztinnen und Ärzte sollen alle Erwachsenen impfen können und dies auch mit den Krankenkassen abrechnen dürfen. Dann können beispielsweise Kinderärztinnen und Kinderärzte bei Bedarf auch die Eltern schnell mitimpfen. In manchen Regionen gibt es jedoch nicht mehr genügend Haus- oder Kinderärzte. Es darf aber nicht hingenommen werden, wenn die Menschen in diesen Regionen deshalb keinen Zugang zu Impfungen haben und von guter Versorgung abgehängt sind. Hier muss die Bundesregierung endlich wirksam gegensteuern.

Impfschutz als Voraussetzung für Kita-Besuch

Viele Kinder sind bereits einmal gegen Masern geimpft worden. Die Impfraten bei Kindern steigen nach Zahlen des Robert-Koch-Institutes bei dieser ersten empfohlenen Impfung seit Jahren an und liegen derzeit mit etwa 97 Prozent oberhalb der für einen guten Impfschutz in der Bevölkerung mindestens nötigen 95 Prozent. Die Quoten der zweiten empfohlenen Impfung betragen bei Kindern 92,8 Prozent.

Eltern von Kleinkindern, die noch zu jung sind, um geimpft zu werden oder von Kindern, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen, müssen sich darauf verlassen können, dass sich ihre Kinder nicht in der Kita anstecken. Die erste Masernimpfung sollen Kinder nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erst mit elf Monaten bekommen. Die zweite Impfung wird von der STIKO zwischen dem 15. und 23. Monat empfohlen.

Auch schwangere Mütter haben ein Recht darauf, sich in der Kita nicht mit Masern zu infizieren. Deswegen finden wir es angemessen und vertretbar, für Kinder einen ausreichenden Impfschutz gegen Masern zur Voraussetzung für den Besuch einer Kita zu machen. Aber auch das Personal dort und in anderen Einrichtungen wie zum Beispiel Pflegeheimen, Arztpraxen oder Krankenhäusern muss sich schnellstmöglich impfen lassen.

Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken

Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) bildet das Rückgrat für einen wirksamen Infektionsschutz durch Impfungen. Ohne eine ausreichende Zahl von Ärztinnen und Ärzten in den Gesundheitsämtern sind Impfungen, etwa in Schulen, nur sehr schwer zu realisieren. Denn in den vergangenen Jahrzehnten wurde der ÖGD immer weiter abgebaut, so dass er zunehmend seine Handlungsfähigkeit verloren hat.

Wir wollen, dass Bund und Länder gemeinsam dafür sorgen, dass der ÖGD personell und finanziell wieder auf die Beine kommt. Der Bund soll Regionen mit Problemen beim Impfschutz dabei helfen, gezielte Impfaktionen zum Beispiel in Betrieben, Einkaufszentren oder kommunalen Einrichtungen durchzuführen.