Corona-Pandemie

Öffentlichen Gesundheitsdienst dauerhaft stärken

Gesundheit ist weit mehr als individuelles Geschehen. Die Public Health-Perspektive muss in unserem Gesundheitswesen deutlich ausgebaut werden. Allen voran der Öffentliche Gesundheitsdienst braucht eine dauerhafte Stärkung. picture alliance | Britta Pedersen
12.02.2021
  • In Deutschland führen die Gesundheitsämter und Public Health (Öffentliche Gesundheitspflege) insgesamt bisher ein Schattendasein. Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass sich das dringend ändern muss.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) dauerhaft stärken und zur dritten tragfähigen Säule unseres Gesundheitswesens ausbauen.
  • Dafür soll sich der Bund dauerhaft an der Finanzierung des ÖGD beteiligen und politischen Entscheidungen künftig ein Gesundheits-Check zugrunde liegen.

Bürger*innen müssen nicht nur im Krankheitsfall gut behandelt werden, sie sollen auch präventiv vor Gesundheitsrisiken geschützt werden. Dabei spielt der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) eine wichtige Rolle.

In unserem Gesundheitswesen nimmt der ÖGD besondere Aufgaben ergänzend zu den niedergelassenen Praxen und Kliniken wahr, etwa die Durchführung von Impfungen, die Bereitstellung von Gesundheitsinformationen oder die Beratung von Menschen zur Prävention von Infektionen.

Pandemie bringt die Nöte des ÖGD ans Licht

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie übernehmen die Gesundheitsämter unverzichtbare Aufgaben wie das Kontaktpersonenmanagement, die Anordnung und Durchführung von Testungen, die Risikoeinschätzung von Großveranstaltungen und die Hilfestellung zum Schutz besonders gefährdeter Gruppen.

Diesen vielfältigen Aufgaben konnten die Gesundheitsämter allerdings nur bedingt nachkommen, da der ÖGD aufgrund der Sparzwänge in den Ländern bisher eher ein Schattendasein führte und chronisch unterbesetzt ist.

Dauerhafte Stärkung sicherstellen

Der im September 2020 von Bund und den Ländern beschlossene „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ kann nur ein erster Schritt zur dauerhaften Stärkung des ÖGD sein. Die Bereitstellung der Mittel für die Stärkung und Ausstattung des ÖGD ist im Angesicht der gegenwärtigen Herausforderungen durch die Pandemie zu zögerlich. Auch fehlt eine klare Zukunftsperspektive für die Gesundheitsämter über das Jahr 2026 hinaus.

Dem Beschluss zufolge soll erst im Laufe des Jahres 2023 über eine solche Perspektive diskutiert werden. Es darf nicht passieren, dass der Mittelzufluss plötzlich eingestellt wird und gerade geschaffene Stellen wieder gestrichen werden müssen.

Der ÖGD bedarf jetzt und dauerhaft einer verlässlichen Stärkung, wie wir Grüne im Bundestag sie in unserem Antrag fordern. In einem Gesundheitssystem ineinandergreifender Säulen soll der ÖGD unserer Meinung nach künftig eine stärker koordinierende Rolle einnehmen.

Das gilt insbesondere im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention, um die kurative Krankenversorgung zu entlasten und die gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern. Der ÖGD soll zu einer Institution weiterentwickelt werden, an die Bürger*innen sich vor Ort bei Gesundheitsfragen wenden können.

Public Health für bessere Gesundheit aller

Es gilt, die öffentliche Sorge um die Gesundheit aller (Public Health) auch jenseits des ÖGD zu stärken. Es wird zunehmend wichtiger, sozial bedingte Ungleichheiten von Gesundheitschancen abzubauen und im Alltag der Menschen Bedingungen herzustellen, die ein gesundheitsförderliches Leben erleichtern.

Verhältnisprävention muss endlich einen größeren gesellschaftlichen Stellenwert einnehmen. Nicht jeder Mensch hat Zeit, einen Rückenkurs zu belegen, aber jeder Mensch bewegt sich in seinem Lebensumfeld. Für die Gesundheit im Alltag etwas ist es förderlich, wenn sichere Bewegung mit dem Rad oder Freizeit im Park möglich ist.

Eine gesunde Lebensweise muss für alle Menschen die einfache Lebensweise werden. Dazu wollen wir in politischen Entscheidungsprozessen ein Instrument der gesundheitlichen Folgenabschätzung etablieren.

„Gesundheit in allen Politikbereichen“ (Health in all Policies) muss endlich, wie es schon lange die WHO und auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Jahr 2015 gefordert hat, „zur Priorität in Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft werden“.