Klimaschutz Die Welt hat Fieber

Der St. Pauli Fischmarkt in Hamburg ist überflutet
So sah der St. Pauli Fischmarkt im Herbst 2014 nach einer Sturmflut aus. Schafft es die Staatengemeinschaft nicht endlich, den weltweiten Temperaturanstieg mit einer Abkehr von fossilen Energieträgern zu begrenzen, werden Küstenstädte nicht nur nach einer
  • Ein Report der Forscher von Climate Central warnt vor den Folgen eines Anstiegs des Meeresspiegels.

  • Anders Levermann, Klimaforscher und Mitautor des Reports, spricht im Interview davon, dass 20 Prozent der Weltkulturerbestätten und Städte wie Hamburg oder New York bedroht sein könnten.

  • Wir Grüne im Bundestag fordern einen endgültigen Ausstieg aus der Kohleenergie und internationale Klimaschutzmaßnahmen.

Im Jahr 2009 tauchte das Kabinett der Malediven ab. Nicht weil sie so gerne unter Wasser tagen, sondern weil das ihr Schicksal sein könnte, wenn die Weltgemeinschaft nicht handelt, den CO2-Ausstoß zurückfährt und den Anstieg des Meeresspiegels begrenzt.

Wie hoch lassen wir den Meeresspiegel steigen?

Passiert ist seitdem nicht viel. Es wird global und national weiterhin gefeilscht, wer eigentlich was zu tun hat, damit wir den weltweiten Temperaturanstieg wenigstens bei zwei Grad Celsius stoppen können. Auf der Klimakonferenz in Paris vom 30. November bis 11. Dezember 2015 wollen sich die Staaten dieser Erde auf ein neues Klimaschutzabkommen einigen und die Emission von Treibhausgasen einschränken. Same procedure as every Klimakonferenz? Also viel reden, entschlossen lächeln, Abkommen verabschieden und dann zu Hause das nächste Kohlekraftwerk bauen?

Für viele in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft war die Klimakrise bislang nur ein nerviges Kind, das am Hosenbund des Vaters zupft und immer wieder sagt: Mit mir stimmt etwas nicht. Doch vielleicht schaut jetzt der Vater endlich mal hin und sieht den hochroten Kopf des Kindes: Fieber.

Unsere Erde hat Fieber: 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, 2015 wird diesen Wert noch einmal toppen. Ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu eineinhalb Meter im Jahr 2100 gilt bereits heute -  unabhängig von diesen Rekordwerten - als sehr wahrscheinlich.

Davor müsse man nicht unbedingt Angst um Leib und Leben haben, denn man habe über einen langen Zeitraum die Möglichkeit sich zu schützen, sagt Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Doch der Anstieg des Meeresspiegels werde im Jahr 2100 nicht stoppen, wenn wir mit dem CO2-Ausstoß so weitermachen wie bisher. Städte wie Hamburg oder New York und Weltkulturerbestätten überall an den Küsten könnten bei einem weiteren Anstieg unwiederbringlich verlorengehen.

2 oder 4 Grad Celsius mehr? So würden London und New York aussehen.

Wenn wir einfach so weitermachen, steigt die Temperatur um fünf Grad Celsius

Ändern wir unser Verhalten nicht, werde die Temperatur in der Zukunft um fünf Grad Celsius ansteigen, so Anders Levermann. Wenn wir den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius beschränken wollen, wie es die Staatengemeinschaft bereits vor vielen Jahren beschlossen hat, müssen wir in den nächsten fünf Jahren das Maximum an Treibhausgasemissionen erreichen und dann rapide nach unten gehen, erklärt der Klimaforscher. Für die Industrieländer bedeute das, wir brauchen praktisch eine Dekarbonisierung, also einen Verzicht auf den Ausstoß von CO2, bis Mitte des Jahrhunderts.

Anders Levermann schaut dennoch optimistisch Richtung Paris. Er sieht für die Klimakonferenz positive Signale bei Obama, dem Papst oder auch in China. Wenn die Staatengemeinschaft in Paris deutlich sagt, dass sich alle Länder von den fossilen Energieträgern verabschieden, wäre das ein sehr wichtiges Ergebnis, sagt Anders Levermann. Dann könne sich die Wirtschaft darauf mit ihren langfristigen Strategien einstellen.

Wir Grüne im Bundestag fordern

Auf der Klimakonferenz in Paris soll – nach bislang vielen erfolglosen Versuchen – endlich ein globales Klimaabkommen verabschiedet werden, das für alle Staaten der Welt verbindlich ist und das unambitionierte Kyoto-Klimaprotokoll ablöst. Damit eine Paris-Vereinbarung wirksam sein kann, sollte sie aus grüner Sicht mindestens die nachfolgenden drei Aspekte beinhalten:

  1. Zumindest das übergeordnete und langfristige Ziel, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen, muss völkerrechtlich bindend verankert werden und im Rahmen von verbindlichen nationalen oder auch regionalen Dekarbonisierungsfahrplänen sowie nationalen Minderungszielen zu untermauern.
  2. Ein Bekenntnis zu „Raus aus den fossilen und rein in die erneuerbaren Energien“. Für Deutschland heißt das, den Kohleausstieg einzuleiten, Subventionsabbau und Divestment - also den Rückzug von Geldern aus CO2-produzierenden Anlagen - anzugehen sowie neue Kooperationen mit Blick auf Erneuerbare.
  3. Die internationale Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen muss als zentrales und gemeinschaftliches Instrument ausgebaut und gestärkt werden. Es muss eine Antwort darauf gegeben werden, wie das Versprechen der Industriestaaten 100 Milliarden Euro ab 2020 an Klimageldern zu mobilisieren konkret eingelöst wird und mit bereits erfolgten Schäden durch den Klimawandel umgegangen wird.

Ob Paris am Ende tatsächlich ein Erfolg wird hängt auch davon ab, wie glaubwürdig die Bundesregierung auftritt. Tatsächlich präsentiert sie sich international anders als sie zu Hause handelt. Bestes Beispiel war der G7-Gipfel in Elmau. Dort hatte die Kanzlerin versucht, sich für ihre Initiative zur Dekarbonisierung der Wirtschaft als Klimaschützerin zu inszenieren. Doch schon wenige Tage später gab sie national die Kohlekanzlerin, indem sie einer geplanten Klimaabgabe auf schmutzige Kohlekraftwerke eine Absage erteilte.

Die Bundesregierung muss den Reden auf internationalem Parkett auch zu Hause Taten folgen lassen und unter anderem den Kohleausstieg einleiten und ein Klimaschutzgesetz vorlegen, dass den Klimaschutz im nationalen Handeln verbindlich macht.

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20 Kommentare
Heulsusen
Gast 13.11.2015

Schon wieder jammern die Klima-Heulsusen herum, die immer noch nicht begriffen haben, dass CO2 nichts mit dem Wetter oder Klima zu tun hat `
und dass es

Z U W E N I G

CO2 für die Pflanzen in der Atmosphäre gibt.

Wir bezahlen N I C H T für Al Gores wertlose Aktien (Verbrennungsrechte) in einem künstlich durch "Einsparziele" verknappten "Markt" damit dieser sich bereichern kann.

Kommentare
cs 17.11.2015

... und wieder kommt als erstes ein Klimawandelleugner der alles besser weiß. Knapp 200 Staatenlenker haben es immer noch nicht begriffen und 99 % der Wissenschaftler begreifen es auch nicht was diese Leute wollen. Freiheit und ohne Hirn weiterleben. Das wollen sie.
Entschuldigung dass ich mich auf ihr Niveau begebe.

An cs
Gast 18.11.2015

Herdentrieb ist für Sie also denken?

Komisch das die 200 "Staatenlenker" ihre Völker nie gefragt haben. Wo bleibt die Demokratie?
Ach so, wenn die Welt im Gefahr ist muss man die Demokratie vorher schnell mal abschaffen.

99% der Wissenschaftler?
Es wurden für diese Behauptung nur Wissenschaftler des IPCC zu Grunde gelegt. Als Zustimmung wurde ausgelegt, wenn diese in bestimmten Fachzeitschriften keine gegenteilige Meinung geäußert hatten. Den Protest tausender anderer Wissenschaftler ignorierte man.

Merkwürdig, bei einer angeblich so existenziellen Gefahr wurden in der BRD zuerst die Kraftwerke abgeschaltet die kein CO2 ausstoßen (Kernkraftwerke).

Billigste Polemik von Kommentator*in CS
Dr. Horst Denzer 19.11.2015

Herr oder Frau CS ist AGWler*in, Herr Gast ist Anti-AGWler und Energieexperte. Wenn man AGWler*in ist, sollte man wissen, wie man anthropogene CO2 Emissionen einsparen kann ohne dass es Vielen schadet. Im Energiebereich wäre ein Konzept für eine bezahlbare (zur Zeit noch nicht) Wasserstoff-wirtschaft zu entwickeln. Wenn CS nicht nur billige Polemik verbreiten kann, warte ich auf einen CS-Kommentar, der dies erläutert. Zement ohne
Branntkalk ist auch nicht möglich und die Stahlerzeugung wäre ebenfalls unmöglich. Dazu möchte ich Lösungen von CS geschildert bekommen !

Klimagipfel in Paris !
Dr. Horst Denzer 19.11.2015

Der Klimagipfel in Paris wird vom WBCSD(World Business Council for Sustainable Development) ausgerichtet, die ihren neuen Vision 20150 Report herausgegeben haben, an dem u.a. Unternehmen mitgewirkt haben, was zeigt, dass es hier nicht in erster Linie um das Klima geht (!!!!) :
Accenture, Alcoa, Allianz, ArcelorMittal, Boeing, Duke Energy, E.ON, Eskom, Evonik Industries, FALCK Group, Fortum, GDF SUEZ, GrupoNueva, Holcim, Infosys Technologies, Osaka Gas, Pricewaterhouse Coopers, Procter & Gamble, Rio Tinto, Royal
Philips Electronics, Sony, Storebrand, Syngenta International, Tokyo Electric Power, Toyota, Umicore, Vattenfall, Volkswagen, Weyerhaeuser

Viele Grüße an Dr. Denzer
Gast 19.11.2015

Hallo Herr Dr. Denzer,
ich werde bei den Grünen derart zensiert, dass meine mehrfachen Grüße an Sie nicht durchkommen. Daher auf diesem Wege herzliche Grüße.

Der Klimagipfel scheint ja wie ein Bilderberger Treffen für Konzerne zu sein, wenn man Ihre Aufstellung ansieht :-)
Der Klimaschwindel kam ja schon immer von ganz weit oben. Die Grünen suggerieren aber als wäre der Klimaschwindel eine Revolution der kleinen Leute die man erkämpfen müsste. Die Grünen fühlen sich dabei wie eine Art Robin Hood.
An Ihrer Liste sieht man aber das dies nicht der Fall ist. In Paris wird wieder alles mit dem Privatjet landen, was Rang und Namen hat um später über Verbrennungsrechte Geld zu scheffeln.

Das Foto ist typisch für versalzten Boden !
Dr. Horst Denzer 27.11.2015

Das Foto ist typisch für einen versalzten Boden, der
durch falsche Bewässerungsmethoden und Überdüngung
entsteht (20 % der Böden weltweit betroffen) und
wie Entwaldung und übermäßiger Gebrauch von Grundwasser eine Ursache für die Wüstenbildung darstellt. Man darf nicht nur CO2 im Blickpunkt haben.
Wußten Sie eigentlich, dass einige CO2-Moleküle bereits eine Diskriminierungsklage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht haben ?

bzgl "Wo bleibt die Demokratie?"
GreenMeansHope 30.11.2015

Wer nach Demokratie fragt, dem kann ich die Ergebnisse des weltweiten Bürgerdiskurses World Wide Views on Climate and Energy empfehlen. http://climateandenergy.wwviews.org

Soviel kann verraten werden: Die Bürger weltweit wünschen sich ein deutliches Engagement der Entscheidungsträger für Klimaschutz.
Sie zeigen sich wesentlich entschlossener als die Machthaber.

Demokratie?
Gast 01.12.2015

An GreenMeansHope
Merkwürdig. Ich kenne Niemanden der von diesem "weltweiten Bürgerdiskurs" jemals gehört hat.
Nach 30 Jahren Gehirnwäsche glauben sicher Einige, dass ein natürliches Spurenelement (Anteil 0,038%) welches von Pflanzen dringend benötigt wird, furchtbar böse ist. Das Problem wird angeblich dadurch gelöst, dass wir alle viel Geld zahlen sollen (an die Herausgeber der CO2 Zertifikate).
Die Mehrheit der Menschen will weder für diesen Unsinn zahlen noch sich beschränken lassen.

Hallo, Herr Gast
Dr. Horst Denzer 02.12.2015

Das Problem ist meines Erachtens, dass viele Journalist*innen über Klimaeinflüsse informieren, die nicht einmal wissen, was Wärme auf molekularer Ebene bedeutet und wenn man dies nicht weiß, kann man fatale
Fehlschlüsse ziehen. So wird zwar korrekt über das Problem abschmelzender Gletscher und Dürreperioden berichtet aber z.B. nicht der Umstand bedacht, dass auch das Abholzen der Wälder eine plausible Ursache sein kann. Die Fokussierung auf CO2 führt nun dazu, dass man vergisst, die Reduzierung der für den Wasserhaushalt bedeutsamen Wälder zu stoppen (siehe Brasilien), so dass nicht selbständig denkende
Journalist*innen der Umwelt durch ihren Scheuklappenblick enorm schaden.

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