Klimakrisenvorsorge

Konsequent vor den Folgen der Klimakrise schützen

Unwetter in Hessen. Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen auf einer durch ein Unwetter überfluteten Straße.
Die Menschen brauchen einen besseren Schutz vor den zunehmenden Extremwetterereignissen und Klimaschäden. Es geht darum, Gefahr für Leib und Leben und enorme Schäden an Umwelt und Infrastruktur abzuwenden. picture alliance/dpa/Keutz TV-NEWS | Alexander Keutz
29.07.2021
  • Deutschland muss für die Folgen der Klimakrise besser gerüstet sein.
  • Es braucht eine neue Politik der Klimakrisenvorsoge.
  • Unser Konzept "Mit konsequenter Vorsorge Mensch und Umwelt vor der Klimakrise schützen" zeigt auf, wie diese neue Politik aussehen kann.

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW ist eine nationale Tragödie. Mehr als 180 Menschen sind ums Leben gekommen, Zehntausende haben ihr Zuhause und damit ihre Heimat verloren, die materiellen Schäden werden sich schätzungsweise im zweistelligen Milliardenbereich bewegen. Die Bewältigung dieser Katastrophe und der Wiederaufbau werden unser Land und vor allem die betroffenen Menschen und Regionen Jahre beschäftigen.

Zugleich ist diese Katastrophe ein Fenster, durch das wir auf unsere Zukunft schauen. Nicht jede Naturkatastrophe ist eine unmittelbare Folge der Erderhitzung. Starkregen, heiße Sommer, Waldbrände und Sturmfluten hat es schon immer gegeben – aber die Heftigkeit, Summe und die schnelle Abfolge der Extremwetterereignisse sind ein untrüglicher Indikator dafür, dass die Klimakrise da ist und Menschenleben kostet. Auch Hitzewellen machen das Leben im Sommer insbesondere in den Städten zunehmend unerträglich.

Die jüngste Katastrophe unterstreicht die Dringlichkeit und Notwendigkeit konsequenten Klimaschutzes. Global ist die Temperatur bereits um über 1 Grad gestiegen - aber was wir heute schon erleben, wäre bei einer ungebremsten Klimakrise nur der Anfang. In der Klimakrise gibt es kein „neues Normal“, nur immer weitere Eskalation.

Wenn wir das Klima schützen, dann schützen wir also in Wirklichkeit uns selbst, unser Wohlergehen und unsere Freiheit.

Zugleich ist klar: Wir Menschen haben die globale Erhitzung bereits in Gang gesetzt, hinter diesen physikalischen Prozess gibt es kein zurück. Deshalb ist neben konsequentem Klimaschutz die Vorsorge vor den neuen Klimarisiken eine zentrale Aufgabe. Diese betrifft in gleich dreifacher Weise den Kern politischen Denkens und Handelns:

Vorsorge als Leitprinzip einer neuen Politik

Die Menschen brauchen einen besseren Schutz vor den zunehmenden Extremwetterereignissen und Klimaschäden. Es geht darum, Gefahr für Leib und Leben und enorme Schäden an Umwelt und Infrastruktur abzuwenden. Aussitzen und abwiegeln, wie wir es bei Hochwasserschutz und Vorsorge immer wieder erlebt haben – mit dieser Gewohnheit sollten wir jetzt endgültig brechen. Vorsorge muss zum Leitprinzip einer neuen Politik werden.

Der Natur mehr Raum geben

Wir haben in den vergangenen Wochen nach Corona nun das zweite Mal erlebt, wie zerbrechlich wir Menschen im Angesicht der Natur sind. Die neuen Impfstoffe gegen Corona, digitale Modelle, die Starkregenfluten präziser vorhersagen, technischer Hochwasserschutz - all das ist wichtig, um uns zu schützen. Grundsätzlich brauchen wir ein neues Verhältnis zur Natur, wir müssen mit ihr leben und wirtschaften, nicht gegen sie. Die zweite Leitidee einer neuen Politik ist daher: Wir müssen unser Verhältnis zur Natur neu bestimmen. Es liegt an uns, sie besser zu schützen, und ihr mehr Raum zu geben, damit sie uns schützt.

Gesundheitsschutz

Eine neue Politik muss Gesundheitsschutz neu fassen. Die Pandemie war dafür der erste Fingerzeig, die Klimakrise ist der zweite. Denn sie ist für viele Menschen auch ein medizinischer Notfall. Die Bundesregierung selber erfasst zum Beispiel zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Hitzewellen der letzten Jahre keinerlei Zahlen, kann demnach auch nicht auf Trends reagieren. Besonders gefährdet durch Hitzewellen sind ältere sowie chronisch kranke Menschen. Eine präventive und ganzheitliche Gesundheitspolitik ist die dritte Leitidee einer neuen Politik.

Entlang dieser drei Leitideen der konsequenten Vorsorge, eines neuen Naturverständnisses und eines umfassenden Gesundheitsschutzes schlagen wir in unserem Konzept zur Klimakrisenvorsorge zu folgenden Punkten für die Politik einer neuen Bundesregierung ganz konkrete Maßnahmen vor. 

1. Konsequente Klimavorsorge

Wir wollen die Klimavorsorge stärker als bisher als Querschnittsaufgabe verankern. Es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen für dieses Jahrzehnt. Klimavorsorge ist dabei auch eine soziale Frage. Der Staat muss gezielt den Menschen und den Kommunen helfen, die sich die notwenigen Maßnahmen zur Vorsorge nicht so einfach leisten können.

2. Hochwasserschutz intensivieren

Die dramatischen Überschwemmungen insbesondere in der Eifel haben den Hochwasserschutz wieder in den Fokus gerückt – wie zuvor bereits die verheerenden Hochwasser 1997, 2002 und 2013. Schäden durch so extreme Starkregen und Hochwasser-Ereignisse, wie sie an Ahr, Erft und z.T. kleinen Zuflüssen aufgetreten sind, werden sich auch durch die beste Hochwasserprävention nie vollständig vermeiden lassen. Dennoch kann und muss die Hochwasservorsorge deutlich gestärkt werden, um Todesfälle, Verletzte und Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und der Natur künftig so gut wie möglich zu verhindern.

3. Gesundheitsschutz in der Klimakrise

Es gibt kein Themenfeld, das mit dem Klimaschutz so eng verwandt ist wie die Gesundheitspolitik. Mit besserem Klimaschutz schützen wir Gesundheit und Leben. Innenstädte sind um bis zu zehn Grad heißer als das Umland. Besonders gefährdet durch Hitzewellen sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Behinderungen sowie chronisch kranke Menschen.

2018 waren Beschäftigte an knapp 80.000 Arbeitstagen hitzebedingt arbeitsunfähig – eine Vervierfachung innerhalb von nur zehn Jahren. Zudem setzt die Klimakrise unsere sichere Versorgung mit Trinkwasser unter Druck und verstärkt das Risiko, an Allergien zu erkranken. Um den Klima-Gesundheitsschutz besser auszurichten, schlagen wir eine in unserem Vorsorgekonzept eine Reihe konkreter Maßnahmen vor.

Vorsorge in der Klimakrise

Online-Fachgespräch

Die Flutkatastrophe zeigt, dass wir dringend eine bessere Vorsorge gegen die Auswirkungen der Klimakrise treffen müssen. Was können und was müssen wir tun? Sehen Sie hier die Aufzeichnung unseres Fachgesprächs vom 27. Juli.

 Eine zerstörte Brücke über der Ahr, nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz

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