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Gleichberechtigung100 Jahre Frauenwahlrecht

Vor hundert Jahren hielt Marie Juchacz als erste Frau eine Rede im Parlament. Wir feiern diesen Meilenstein der Frauenbewegung - und kämpfen weiter für Gleichberechtigung.

Der 12. November 1918 gilt als Beginn des Frauenwahlrechts in Deutschland. Er war ein Erfolg des jahrzehntelangen Kampfes der Frauenstimmrechtsbewegung.

Viel diskutiert wurde, welches Stimmrecht angestrebt werden sollte – dasselbe wie die Männer? Das hätte beispielsweise für Preußen ein nach Steuerzahlungen gestuftes Dreiklassenwahlrecht bedeutet, dann auch für Frauen. Oder das allgemeine Wahlrecht? Das war eine Forderung der SPD, die für viele der „bürgerlichen“ Frauen keine mögliche Bündnispartnerin war.

Je länger der Erste Weltkrieg dauerte, desto mehr bewegte sich. Sozialistinnen und Bürgerliche näherten sich an, schrieben Petitionen, Eingaben und organisierten Demonstrationen. Die Revolution brachte den entscheidenden Schritt zur Demokratisierung.

Demokratischer Meilenstein

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919 hatten Frauen erstmals reichsweit das aktive und passive Wahlrecht. Und sie nutzen ihr neues Recht. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 90%. Von den rund 300 Kandidatinnen wurden 37 in den ersten Reichstag der Weimarer Republik gewählt (später rückten noch vier weitere Frauen nach).

Bei 423 Abgeordneten insgesamt ergab sich ein Anteil von 9,7 Prozent, ein sensationeller Wert. In der Bundesrepublik sollte es bis 1983 dauern, bis er wieder erreicht wurde, nicht zuletzt durch den Einzug der Grünen in den Bundestag und den durch sie auch in anderen Parteien angestoßenen Quotenregelungen. In der DDR-Volkskammer lag der Frauenanteil von Anfang an über 20 Prozent, 1986 bei 32,2 Prozent.

100 Jahre und noch ein langer Weg

100 Jahre später ist viel erreicht, aber es gibt noch zu viele Baustellen. Die gläserne Decke steht immer noch, Männer verdienen im Durchschnitt weiterhin mehr als Frauen und in den Vorständen der DAX-Unternehmen liegt der Frauenanteil im einstelligen Prozentbereich. In der Bundesregierung sieht es kaum besser aus, nur ein Viertel der Staatssekretäre sind weiblich. Diese Regierung ist nicht auf der Höhe der Zeit.

Im Bundestag ist der Anteil sogar gesunken

Bei den letzten Bundestagswahlen 2017 sank der Anteil der weiblichen Mitglieder des Bundestages zum ersten Mal seit langem wieder ab, auf 31%. Besonders tragen dafür die Fraktionen der AfD (10,6 Prozent), der CDU/ CSU (20 Prozent) und der FDP (22,5 Prozent) die Verantwortung.  Diese Entwicklung ist blamabel, das lässt sich nicht anders sagen.

Die Parteien mit Quoten und Gleichberechtigung in der Programmatik stehen ganz anders da: Grünen mit einem Frauenanteil von 58 Prozent, die Linken mit 54 Prozent, die SPD mit 42 Prozent. Wir brauchen mehr Frauen in den Parteien, in den Parlamenten, auf der Regierungsbank. Hierfür gibt es Vorbilder in anderen Ländern und konkrete Vorschläge, die wir mit den anderen Fraktionen möglichst bald diskutieren werden.

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