Benachteiligung

Geschlechtergerecht aus der Corona-Krise

Alleinerziehende mit Kind in der KÜche vor Laptop
Die Begleiterscheinungen und die Folgen der Corona-Krise sind nicht geschlechtsneutral. Um in der Krise bestehende Ungleichheiten nicht noch weiter zu verschärfen, braucht es einen geschlechtspezifischen Ansatz. picture alliance/Andreas Arnold
17.07.2020
  • In der Corona-Krise treten bestehende Ungleichheiten besonders deutlich hervor. Dies zeigt sich insbesondere beim Blick auf die Geschlechter.
  • In der Bewältigung der Pandemie ist ein geschlechtersensibler Blick notwendig, um zu gewährleisten, dass die umfassenden Maßnahmen und Programme, die jetzt aufgesetzt werden, nicht zur Benachteiligung von Frauen und zu Rückschritten führen.
  • Wir Grünen im Bundestag schlagen konkrete kurz- und langfristige Instrumente vor, um Frauen vor Benachteiligung zu schützen und ihre Leistung anzuerkennen.

Frauen bilden bei den meisten „systemrelevanten“ Berufen, insbesondere im Care-Bereich, die Mehrheit. Auch in der Familie sind es in der Mehrheit Frauen, die jetzt die Mehrbelastung mit Homeschooling, Kinderbetreuung und Homeoffice schultern. Die Bundesregierung hat in ihren Antworten auf die Corona-Krise zu diesen Herausforderungen einen blinden Fleck. Hier wird erneut deutlich, dass Frauen unterrepräsentiert und dadurch nicht ausreichend in politische Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Wir Grünen im Bundestag wollen mit unserem Antrag Aufmerksamkeit auf die Lage von Frauen in der Corona-Krise lenken und diese Lücke füllen.

Hilfsmaßnahmen und Konjunkturpaketen müssen Frauen und Männer gleichermaßen adressieren

Wir fordern die Einführung eines Geschlechtergerechtigkeits-Checks, mit dem alle bestehenden und kommenden Krisenmaßnahmen und Gesetzesvorschläge auf ihre unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf Frauen und Männer geprüft werden. Eine Stabsstelle im Kanzlerinnenamt soll dafür Sorge tragen, dass diese Angelegenheit Chefinnen-Sache wird. Ein unabhängiger Gleichstellungs-Krisen-Rat soll zu den dynamischen Entwicklungen beratend zur Seite stehen.

Echte Entscheidungsfreiheit zur Aufteilung der familiären Sorgearbeit ermöglichen

Die eigenständige Existenzsicherung von Frauen muss auch in einer Krise wie dieser gewährleistet werden. Selbst Paare, die eine faire Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit leben wollen, werden in der aktuellen Lage oft auf traditionelle Modelle zurückgeworfen. Mit einer modernen Zeit- und Familienpolitik wollen wir dafür sorgen, dass echte Entscheidungsfreiheit zur Aufteilung der familiären Sorgearbeit gewährleistet wird.

Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik geschlechtergerecht machen

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Pandemie treffen Frauen besonders stark. Schon vor der Krise mussten Frauen, die sich in selbstständiger Tätigkeit ein Einkommen erwirtschafteten, mit erheblich weniger Geld auskommen als Männer. Erste Schätzungen zeigen, dass Frauen nun auch noch überproportional stark aus der selbstständigen Tätigkeit in den Hartz-IV Bezug fallen. Gegen die wirtschaftliche Schieflage zwischen Männern und Frauen muss politisch endlich stärker gegengesteuert werden. Wir dürfen die Corona-Krise nicht zum historischen Rückschritt für die Gleichstellung werden lassen.

Die bestehende Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik muss dafür im Hinblick auf ihre Gleichstellungswirkung geprüft und diskriminierende Strukturen, Instrumente und Steuermodelle abgeschafft werden. Es braucht endlich eine bessere Bezahlung von Sorgeberufen, Entgeltgleichheit und ein Ende des Ehegattensplittings. Das Kurzarbeitergeld muss besonders für kleine Einkommen weiter angehoben werden.

In der Krise liegt die Chance, die Leistung von Frauen, die sie auch schon vor der Krise erbracht haben, sichtbarer zu machen und bereits lange vorliegende Forderungen für mehr Gleichstellung endlich umzusetzen. Wir können jetzt die politischen Entscheidungen treffen, um aus der Krise geschlechtergerecht heraus zu kommen.

In der Corona-Krise treten bestehende Ungleichheiten besonders deutlich hervor. Dies zeigt sich insbesondere beim Blick auf die Geschlechter. Rede von Ulle Schauws, Sprecherin für Frauen- und Queerpolitik, am 17.6. 2020 im Bundestag zu Geschlechtergerechtigkeit