Finanzmärkte

Europa muss ein Leitmarkt für Nachhaltigkeit werden

Keimling und Münzelstapel
Grüne Finanzmärkte können einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele leisten. Wir haben Vorschläge gemacht, wie Nachhaltigkeit eine wichtigere Rolle auf den Finanzmärkten spielen kann. picture alliance / blickwinkel
01.12.2020
  • Die Transformation unserer Wirtschaft im Kampf gegen die Klimakrise wird nur gelingen, wenn wir auch die Weichen in unserem Finanzsystem neu stellen.
  • Auf den Finanzmärkten entscheidet sich, welche Projekte finanziert werden und damit über Jahrzehnte hinweg Wirkung entfalten. Derzeit werden die langfristigen Auswirkungen von Investitionen nur unzureichend berücksichtigt. Viele sind klimaschädlich und befeuern die Klimakrise.
  • Wir wollen eine verbindliche und gesetzlich abgesicherte Kennzeichnung für nachhaltige Finanzprodukte sowie eine Taxonomie, die Greenwashing verhindert und Unternehmen nachhaltige Finanzierungsquellen ermöglicht.

Derzeit sind Milliardenbeträge auf den Finanzmärkten in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodelle auf der Ausbeutung fossiler Ressourcen beruhen. Die Finanzindustrie hält so alte, schwerfällige und umweltschädliche Industrien über Jahrzehnte hinweg aufrecht, weil sie kurzfristig profitabel scheinen.

Um vom Problem zum Teil der Lösung zu werden, sollte der Finanzsektor Unternehmen bei der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Milliardeninvestitionen müssen aus klimaschädlichen Unternehmen abgezogen werden.

Unsere Vorschläge dazu haben wir in einen Fraktionsbeschluss und einen Antrag eingebracht.

Klimarisiken sind Finanzrisiken

In den vier Jahren seit Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens haben die 35 schmutzigsten Banken weltweit 2,7 Billionen Dollar in den fossilen Sektor investiert.

Das ist eine gigantische Wette gegen die Klimakrise und birgt die Gefahr, unser Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Denn wenn die Kohlenstoff-Blase platzt, werden klimaschädliche Investitionen schlagartig wertlos.

Die sogenannten „stranded assets“ werden für Banken, Versicherungen, aber auch besonders für die private Altersvorsorge und private Anlegerinnen und Anleger hohe Verluste bedeuten. Und, wenn ganze Institute ins Wanken geraten, kommt es im Extremfall zu einer neuen Finanzkrise.

Wir wollen

  • die Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken in Konzern- und Bankbilanzen und im Risikomanagement aller Finanzmarktakteure berücksichtigt wissen.
  • die Einbeziehung von Klimarisiken und -chancen in die Bewertungen von Rating-Agenturen.
  • Klima-Stresstests für Banken und Versicherer.

Nicht für jedes Darlehen eines Kleinbauern braucht es ein Nachhaltigkeitsrating, aber bei großen Unternehmen, hohen Summen oder emissionsintensiven Sektoren brauchen wir ambitionierte Anforderungen.

Finanzmärkte in den Dienst der Nachhaltigkeit stellen

Wir wollen den deutschen und europäischen Finanzmarkt zum führenden Markt und einem Motor für die ökologische Modernisierung machen. Das Thema nachhaltige Finanzen hat einen extremen Zuwachs an Beliebtheit erfahren. Immer mehr Banken, Fonds und Versicherungen, genauso wie private Investoren, wollen die Auswirkungen und Risiken des Klimawandels in ihren Anlagestrategien berücksichtigen.

Attraktive nachhaltige Geldanlagen

Auch die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen ist höher denn je. Doch mit einem Marktanteil von 5,4 Prozent am Gesamtvolumen ist der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate in Deutschland noch immer viel zu gering. Und von diesen nachhaltigen Geldanlagen stammt nur jeder zehnte investierte Euro von Privatanlegerinnen und Privatanlegern.

Oftmals ist das Problem, dass sich in angepriesenen „grünen“ Finanzanlagen doch wieder Klimakiller verstecken. Auch kompetente Beratung zu nachhaltigen Anlagen ist noch zu schwer zu finden.

Wir wollen

  • dass Transparenz über nachhaltige Finanzprodukte geschaffen wird. Anlegerinnen und Anlegern müssen erkennen können, was grün ist, was weniger grün ist und was überhaupt nicht grün ist.
  • die Einführung eines EU-Labels für nachhaltige Finanzprodukte mit starken ökologischen und sozialen Standards. Wie das Bio-Label im Supermarkt soll dies helfen, eine nachhaltige Auswahl zu treffen.
  • Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kundenberatung, die Anlageberatung und Vermögensverwaltung.

EU Taxonomie für Finanzwende

Der wichtigste Baustein für die ökologische Finanzwende ist eine Definition, die ein einheitliches Verständnis darüber schafft, was nachhaltige Produkte sind und was eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeit ist. Die Etablierung klarer „grüner“ Kriterien ist der Schlüssel um Greenwashing zu verhindern.

Die EU-Kommission hat ein Klassifizierungssystem vorgestellt, das erstmals klar definiert, wann eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig eingestuft werden kann. Das ist die EU Taxonomie-Verordnung.

Wir wollen

  • eine vollumfängliche Taxonomie, die neben grünen - nachhaltigen – auch klima- und umweltschädliche Wirtschaftstätigkeiten, soziale Mindestschutzstandards sowie Abstufungen von Nachhaltigkeit beinhaltet.
  • dass die Berichtsstandards, die Unternehmen verpflichten, nachhaltige und schädliche Aktivitäten offenzulegen, zügig von allen Finanzmarktakteuren und auf alle Finanzprodukte angewendet werden.

Der Bund als Pionier und in der Vorreiterrolle

Während die Bundesregierung einerseits ethisches und nachhaltiges Verhalten von privaten Investoren fordert, investiert sie anderseits selbst in fossile Wirtschaft und nicht-nachhaltige Aktivitäten. Der Bund muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Wir wollen

  • Eine Kapitalanlage- und Förderpolitik des Bundes, die an der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet ist.
  • Das Divestment aller Anlageportfolios in der Verantwortung des Bundes aus fossilen Energieunternehmen.
  • Die Transformation der Europäische Investitionsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu Klimabanken.