Untersuchungsausschuss

Finanzaufsicht befeuerte den Wirecard-Betrug

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09.11.2020
  • Wir wollen, dass Finanzkriminalität in Deutschland endlich ernst genommen wird.
  • Wirecard, Cum Ex und regelmäßige Verstrickungen deutscher Finanzunternehmen in Geldwäscheskandale haben gezeigt, dass Deutschland ein El Dorado für Finanzkriminalität ist. Bis heute hat die Bundesregierung die Finanzaufsicht BaFin jedoch weder mit dem politischen Willen, noch mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet, um Finanzkriminalität frühzeitig zu erfassen und zu verhindern.
  • Die Verdrängung der Probleme muss aufhören. Wir Grüne im Bundestag wollen die Prioritäten der Finanzaufsicht neu definieren, damit Geldwäsche in Deutschland endlich ernst genommen wird. Weiterhin wollen wir eine Bilanzpolizei bei der BaFin errichten, die Verdachtsfällen von Bilanzbetrug nachgeht.

Wirecard wurde als Zahlungsdienstleister für Pornoseiten und illegales Glücksspiel bekannt und endete als größter Wirtschaftsskandal Deutschlands. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) sprechen wir mit Experter*innen um herauszufinden, wie das passieren konnte, wer die Verantwortlichen waren und was wir tun müssen, damit sich so ein Skandal nicht wiederholt.

Wirecard-Skandal: Dan McCrum kämpfte gegen Widerstände für die Wahrheit

Niemand hat mehr zur Aufklärung bei Wirecard beigetragen als Dan McCrum. Der investigative Journalist der "Financial Times" war der bislang prominenteste Gast im Wirecard-Untersuchungsausschuss. Volle sechs Stunden berichtete er von den Einschüchterungsversuchen Wirecards gegen ihn sowie von der Hilfestellung deutscher Behörden, die lange Zeit auf der Seite Wirecards gegen die Wahrheit ankämpften.

Statt den Hinweisen aus den Artikel des Journalisten nachzugehen, beschuldigte die deutsche Finanzaufsicht BaFin den Journalisten der Marktmanipulation und glaubte den von Wirecard erfundenen Verschwörungstheorien. Diesen zufolge arbeitete McCrum, Journalist einer der renommiertesten Finanzzeitungen der Welt, angeblich mit Leerverkaufsfonds zusammen, um ein tadelloses arbeitendes, deutsches Techunternehmen in die Knie zu zwingen. Anstatt die aufgedeckten Unstimmigkeiten zu prüfen, wurde die BaFin zum Aufseher im Aluhut.

Die Deutsche Finanzaufsicht: Befeuerte den Wirecard-Betrug

Die Finanzaufsicht erließ zusätzlich auch ein Leerverkaufsverbot, nach welchem AnlegerInnen, die Wirecard für betrügerisch und daher am Markt überbewertet hielten, nicht mehr auf fallende Kurse beim Unternehmen setzen konnten. McCrum beschrieb ein durch Wirecard und die BaFin erzeugtes Umfeld der Angst, in dem JournalistInnen und AnlegerInnen es trotz eindeutiger Betrugshinweise kaum mehr wagten, diese auszusprechen. Neben dem Journalisten, Dan McCrum, waren mit Dr. Carola Rinker und Prof. Dr. Annette Köhler zwei Bilanzexpertinnen im Ausschuss, die uns die Tiefen der Wirecardbilanz und die Betrugstechniken erläuterten.

Zudem berichtete der Unternehmer Kilian Kleinschmidt über Treffen mit dem ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, der mit seinen Kontakten zu Geheimdiensten prahlte, die ihm womöglich bei der Flucht halfen – Marsalek wird aktuell mit Strafbefehl gesucht, durfte allerdings unbehelligt von deutschen Strafverfolgungsbehörden noch aus Deutschland ausreisen, als der Wirecardbetrug bereits von Wirtschaftsprüfern bestätigt war.

Klar ist: Der Fall Wirecard ist der umfassendste Wirtschaftsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Wir werden weiter auf Aufklärung drängen, Konzepte für eine bessere Aufsicht erarbeiten und die Bundesregierung in die Verantwortung nehmen.